Cortisol und Covid-19

Corona: Welchen Einfluss haben Hormone? Cynthia Möthrath, 17.07.2020 07:57 Uhr

Berlin - Verschiedene Faktoren könnten einen Einfluss auf den Krankheitsverlauf bei einer Infektion mit Sars-CoV-2 haben. Experten der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) gehen davon aus, dass auch das Stresshormon Cortisol eine wichtige Rolle spielen könnte.

Für Patienten mit Hormon- oder Stoffwechselerkrankungen könnte die Pandemie den Gesellschaften zufolge erhebliche Folgen für das Therapiemanagement haben. Denn das Stresshormon Cortisol steuert zahlreiche Stoffwechselprozesse. „Zusätzlich zu den alltäglichen Belastungen, die jeden während der Corona-Pandemie getroffen haben und derzeit immer noch beschäftigen, sind chronisch Erkrankte weiteren Stressfaktoren ausgesetzt: Sie sorgen sich in besonderer Weise um ihre Gesundheit, da sie häufig als Risikopatienten gelten“, erklärt Professor Dr. Matthias Weber, Mediensprecher der DGE. Desweiteren habe mentaler Stress einen großen Einfluss auf Hormon- und Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus und Bluthochdruck. Daher würden Betroffene schnell in einen Teufelskreis aus Angst, Stress und schlechter Stoffwechsellage geraten.

Cortisol beeinflusst Stoffwechsellage

Cortisol wird bei Stress aus der Nebennierenrinde freigesetzt. Das Hormon beeinflusst nicht nur den Fettstoffwechsel und das Herz-Kreislauf-System, es wirkt zudem entzündungshemmend. „Da ein erhöhter Cortisolspiegel auch den Blutzucker ansteigen lässt, hat Stress einen großen Einfluss auf die Stoffwechsellage von Menschen mit Diabetes mellitus und kann so möglicherweise auch zu einer erhöhten Infektanfälligkeit und einem schweren Krankheitsverlauf bei Covid-19 beitragen“, erläutert Weber. Denn das Hormon könnte eine wichtige Schlüsselrolle beim Infektionsverlauf übernehmen: Eine britische Kohortenstudie mit rund 500 Patienten zeigte, dass bei Covid-Patienten der Cortisolspiegel im Blut höher war als bei gesunden Menschen. „Die Studie stellt auch einen möglichen Zusammenhang zwischen erhöhten Hormonkonzentrationen und Sterblichkeit auf“, erklärt Weber.

Patienten engmaschig überwachen

Doch nicht nur in Bezug auf das neuartige Coronavirus spielen Hormone eine wichtige Rolle – auch bei anderen Infekten kommen sie zum Tragen. „Speziell Cortisol kann sowohl in einer Mangelsituation als auch bei Überdosierung zu lebensbedrohlichen Krankheitszuständen führen und hat einen starken Einfluss auf das Überleben bei schweren Infektionen“, erklärt Weber. Patienten mit einer Über- oder Unterfunktion des Cortisol-Stoffwechsels müssten daher während der Pandemie engmaschig kontrolliert und überwacht werden. Dazu gehören beispielsweise Menschen mit einer Nebenniereninsuffizienz wie beim Addison-Syndrom – bei ihnen wird zu wenig Cortisol gebildet, daher ist eine Cortisol-Ersatztherapie notwendig. Doch auch bei einer Überproduktion wie beim Cushing-Syndrom sollten regelmäßige Untersuchungen stattfinden. Gleiches gelte für Patienten, die aufgrund anderer Erkrankungen hochdosierte Kortisonpräparate einnehmen müssten.

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