Kassenabschlag

Becker: Politik muss MwSt-Nachteil für Apotheken korrigieren Lothar Klein, 11.06.2020 12:28 Uhr

Berlin - Die geplante Mehrwertsteuersenkung führt bei den Apotheken über den Kassenabschlag zu einer finanziellen Belastung: Pro Rx-Arzneimittel sinkt das Netto-Apothekenhonorar um 4 Cent. Nächste Woche soll dieser Teil des „Wumms“-Konjunkturpakets bereits im Bundestag beschlossen werden. Daher meldet sich jetzt auch der Deutsche Apothekerverband (DAV) zu Wort: Das könne nach monatelangem „Geackere“ der Apotheken an der „Coronafront“ doch nicht Ziel der Politik sein, so der Vorsitzende Fritz Becker.

Der DAV begrüße das Anliegen der Bundesregierung, die Wirtschaft zu stärken und die negativen Folgen der Corona-Pandemie abzufedern, so das Statement von Becker. Die vergangene Woche angekündigte Absenkung des Mehrwertsteuersatzes von 19 auf 16 Prozent zwischen 1. Juli und 31. Dezember möge generell auch bei der Erreichung dieses Ziels helfen. Becker: „Für den Bereich der Arzneimittelversorgung führt sie leider aber auch zu Schwierigkeiten, weil hier viele Besonderheiten zu berücksichtigen sind.“

Zunächst macht der DAV-Chef darauf aufmerksam, dass bei den Rx-Arzneimitteln ohnehin kein Preisspielraum bestehe: „Das beginnt schon damit, dass die Mehrwertsteueranpassung Verbraucherpreise senken und den Konsum ankurbeln soll, eine preisabhängige Nachfragesteigerung in der Arzneimittelversorgung aber gar nicht gewollt ist.“ Dazu komme, dass die Änderung die Apotheken nicht nur administrativ, sondern tatsächlich auch finanziell zusätzlich belastet, wenn es keine flankierenden Maßnahmen gebe. Und natürlich sei darüber hinaus die Zeit für eine saubere Umsetzung bis 1. Juli knapp.

Apotheker seien zwar Unternehmer, die Umsatz- und Gewerbesteuer zahlten, sie seien aber auch freie Heilberufler, deren Arbeit stark durch die Sozialgesetzgebung reguliert sei. „In einem freien Markt bewegen sich die Apotheken nunmal nicht“, so der DAV-Vorsitzende. Bei mehr als 80 Prozent des Umsatzes handele es sich um rezeptpflichtige Arzneimittel, die bundeseinheitlichen Preisen unterlägen, die wiederum größtenteils von den Krankenkassen erstattet würden. Becker: „Hier kann die Apotheke weder ‚Preisvorteile‘ weitergeben, noch ist die Nachfrage preissensibel.“

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