Apotheker lässt testen, KV zahlt

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Berlin - Vom Gesundheitsamt beauftragt, von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) bezahlt: Inhaber Dr. Björn Schittenhelm betritt mit seiner Alamannen Apotheke in Holzgerlingen absolutes Neuland. Ab dem 21. Dezember betreibt er ein Corona-Testzentrum und kann die Leistung über die KV abrechnen: Pro Test 15 Euro für die Laborleistungen und 9 Euro für den Test selbst. Ärger mit den umliegenden Ärzten hat er deshalb nicht – im Gegenteil.

„Ich habe mir die Augen gerieben, als ich gesehen habe, dass wir das über die KV abrechnen können“, sagt Schittenhelm. Doch er hat sich nicht verguckt: Denn die aktuelle Corona-Testverordnung sieht vor, dass primäre Leistungserbringer und Stellen des öffentlichen Gesundheitsdienstes auch Dritte als Leistungserbringer oder Teststellen beauftragen können. Der Grund dafür ist leicht erklärt: Gesundheitsämter und Arztpraxen sind angesichts der hohen Infektionszahlen überlastet. Wer qualifiziert ist, soll auch helfen können. „Die Idee ist, die Praxen zu entlasten. Unser Projekt wird deshalb auch von den Ärzten sehr gut aufgenommen“, so Schittenhelm. „Sie überweisen an uns wie an ein Labor, können aber für den Patienten die komplette Leistung abrechnen. Wir nehmen den Ärzten also auch nichts weg.“

Die KV Baden-Württemberg hat dazu ein eigenes Portal eingerichtet, auf dem sich diese Leistungserbringer registrieren und ihre Qualifikationen nachweisen können. „Wir laufen dann wie eine normale Kostenstelle komplett über die ärztliche Abrechnungsschiene, allerdings ziehen sie bei uns mehr ab als bei einem Arz.“ Dennoch: Schittenhelm geht davon aus, dass sich das Testzentrum mit den 15 Euro für die Laborleistungen zuzüglich 9 Euro Pauschale pro Test gewinnbringend betreiben lässt. Die notwendigen Schnelltest zu besorgen, sei dabei kein Problem gewesen: „Ich finde das Prinzip der Schnelltests schon seit längerem genial und glaube, es kann einen sehr wichtigen Beitrag im Kampf gegen die Pandemie leisten“, sagt er. „Deshalb habe ich die schon seit längerem gesammelt und jetzt knapp 10.000 Stück da. Ich habe verschiedene Bezugsquellen und im Moment nicht das Gefühl, dass es schwer ist, Tests zu beziehen.“

Doch nicht nur die Tests kann Schittenhelm über die KV abrechnen, auch die Betriebskosten für die Räumlichkeiten, in denen sei Testzentrum unterkommt. Denn er lässt die Tests weder in seiner Apotheke noch von seinem Team durchführen. Stattdessen hat er Räumlichkeiten in einem nahegelegenen Gewerbegebiet angemietet: Im Erdgeschoss eines Bürokomplexes, samt eigenem Eingang, finden sich dazu zwei Anmelderäume und ein Testraum mit zwei großen Boxen, in denen die Abstriche gemacht werden. Absperrungen und eine Einbahnstraßensystem auf den beiden Teststrecken sollen nicht nur die Einhaltung der Abstandsregeln sicherstellen, sondern auch einen reibungslosen Ablauf. Denn der Testbetrieb ist genau getaktet.

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