„Wir werden uns sicher fast alle infizieren“

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Berlin - Apothekerin Linda Wnendt hat in ihrer Ahrtor-Apotheke in Bad Neuenahr-Ahrweiler in den letzten Tagen einige Veränderungen vorgenommen. Neben allgemeinen Hinweisen als Aushang in der Offizin hat sie draußen vor der Tür einen Wartebereich eingerichtet – in der Apotheke gibt es aktuell keine Sitzmöglichkeiten mehr. Seit gestern bedienen sie und ihre Angestellten hinter Plexiglaswänden, dennoch geht die Inhaberin davon aus, dass eine Infektion kaum ausbleiben wird. Sie appelliert an die Vernunft von Kunden und Kollegen.

Linda Wnendt ist dem Vorgehen anderer Apotheken gefolgt und hat sich auch für eine zusätzliche Schutzbarriere am HV-Tisch entschieden. „Seit Montagabend arbeiten wir auch mit Plexiglaswänden. In der Marke Eigenbau kosteten mich sechs Konstruktionen für drei Arbeitsplätze über 350 Euro, dabei spreche ich vom reinen Materialwert. Die Arbeitskosten sind nicht mit einberechnet, da wir diese selber installierten.“ Als Inhaberin versucht sie ihren Angestellten den größtmöglichen Schutz zu bieten. „Draußen habe ich einen Wartebereich für Kunden eingerichtet. Die desinfizierbaren Klappstühle sind mit Hinweisschildern bestückt und wir gewährleisten so auch für unsere Kunden einen 2-Meter-Abstand trotz großen Andrangs.“

Wnendt informiert in der Apotheke an so vielen Stellen wie möglich über die einzuhaltenden Hygienemaßnahmen. „Auf meinen vier digitalen Sichtwänden läuft zurzeit keine Produktplatzierung. Nur ein Text zu Corona, mit dem Hinweis zur Einhaltung des Abstandes ist geschaltet.“ Die Kunden würden sich auch zum großen Teil an die Regeln halten. So müssen Kunden nach Ablage des Rezeptes zunächst auf eine speziell gekennzeichnete Fläche zurücktreten – dann übernimmt die PTA oder der Apotheker die Verordnung und beginnt mit der Belieferung. „Ich habe alles für die Kunden genau markiert. Die Stelle, an der das Rezept abgelegt werden kann, ist mit einem laminierten, desinfizierbaren DIN-A3-Blatt auf dem HV-Tisch gekennzeichnet.“ Was zunächst viel Arbeit gekostet hat, zahlt sich nun aus. Wnendt und ihre Mitarbeiter sind gegenüber dem Infektionsrisiko durch den Kunden nun gut aufgestellt. Demnächst werden sie im Team auch das erste mal Desinfektionsmittel selber herstellen, die Vorräte haben bislang ausgereicht. Aktuell könne man auch auf Octenisept ausweichen. Hier habe die Ahrtor-Apotheke noch ausreichenden Lagerbestand.

Anfänglich gestaltete sich die Situation zwischen den Kollegen etwas schwierig berichtet die Apothekerin. „Wenn ich mich anstecke, dann vielleicht auch bei den Kollegen. Es ist großes Bemühen nötig gewesen, um verständlich zu machen, dass man nicht nur zum Kunden, sondern auch zu entfernterer Familie und Freunden Abstand halten muss.“ Die Verhaltensweisen aus dem Job müssten im Privatleben weitestgehend fortgeführt werden. Wnendt schließt sich somit den Aussagen von Virologen und Politik an und appelliert an die Vernunft ihrer Kunden und Kollegen: Soziale Kontakte müssten für einen gewissen Zeitraum heruntergefahren werden, sodass der Anstieg der Infektionszahlen verlangsamt werden kann. „Irgendwann ändert sich auch unsere momentane Situation, dann bedienen wir als Infizierte mit Masken.“ Wnendt kann nur hoffen, dass ihr Team, im Falle einer Infektion, fit genug ist, um den Betrieb irgendwie aufrechtzuerhalten.

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