Zyto-Skandal

„Wir Apotheker sind fassungslos“ Silvia Meixner, 14.11.2017 15:01 Uhr

Berlin - Tag 2 im Prozess gegen den mutmaßlichen Pfusch-Apotheker aus Bottrop. Der ganze Berufsstand ist entsetzt. Fassungslosigkeit und Unglauben dominieren die Gespräche in diesen Tagen. Und die schwindende Hoffnung, dass sich alles vielleicht doch noch aufklären wird. Martin Beutling aus Oberhausen sagt: „Das konnte sich kein Apotheker vorstellen.“

Beutling kennt S. vom Studium und von verschiedenen Fortbildungen her und hat ihn gelegentlich auf Geburtstagsfesten von Kollegen getroffen. Von der Verhaftung erfuhr der Inhaber der Glocken-Apotheke von Bekannten aus Bottrop. Sein erster Gedanke: „Das kann nicht wahr sein!“ Er sagt: „Ich bin von den Taten schockiert. Was Peter S. vorgeworfen wird, ist in Apothekerkreisen so schier undenkbar und unfassbar, dass bislang fast keiner glauben kann, dass es so wie dargestellt auch passiert ist. Alle suchen nach Erklärungen oder Hintertürchen, weil sich keiner an den Gedanken herantraut, dass es wahr sein könnte.“

Weil es im Umkehrschluss bedeuten würde: Hier hat ein Apotheker aus reiner Gier Menschen gefährdet. Besonders das Schweigen des Angeklagten sei verstörend und irritiere viele Kollegen. „Wenn ich unschuldig bin, stelle ich mich sofort hin und sage, das und das ist passiert und das und das nicht. Das Schweigen geht vielen sehr nahe.“

S. galt als wohlhabend und als er seine Millionen-Villa bauen ließ, war das, wie Beutling erzählt, in Bottrop Stadtgespräch. 1000 Quadratmeter Wohnfläche, eine Rutsche vom Badezimmer im ersten Stock in den Pool im Erdgeschoss (Kostenpunkt: 500.000 Euro). „Ich gönne jedem alles“, sagt Beutling, „aber die Rutsche ist aus meiner Sicht sozialer Selbstmord. Der Beruf des Apothekers ist sozial. Man bekommt nicht alles entlohnt, was man investiert und das ist auch gut so. Oft redet man eine halbe Stunde mit einem Kunden und verkauft eine Packung Thomapyrin. Aber das ist eben der Job des Apothekers: Man hat soziale Verantwortung. Diese Rutsche beweist das Gegenteil.“ Sie ist nur ein kleines Puzzlestück auf der Suche nach dem Warum im Fall Peter S. Aber sie sagt viel aus über einen Menschen, der viele Kollegen in Fassungslosigkeit gestürzt hat.

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