Welche Personengruppen haben eventuell keinen ausreichenden Impfschutz?

Ein schlechter Impfschutz kann dann vorliegen, wenn die Personen ihr Impfregime nicht beendet haben oder die empfohlenen Abstände zwischen Erst- und Zweitimpfung nicht eingehalten wurden. Auch genetische Unterschiede in der Induzierbarkeit von Immunantworten können dazu führen, dass kein Impfschutz aufgebaut wird. Es sind Fälle bekannt, bei denen Personen auch nach einer mehrmaligen Impfung gegen Hepatitis B keinen Impfschutz aufgebaut haben. Aus generellen Impferfahrungen lässt sich ebenfalls ableiten, dass Personen mit Immundefizienz (egal ob angeboren oder erworben) dazu neigen können, einen geringeren Impfschutz aufzubauen. Für diese Personengruppe kann eine Erfolgskontrolle vier bis acht Wochen nach der letzten Impfung des Regimes erfolgen (RKI-Empfehlung).

RKI: „Nach Boosterung wird als Faustregel ein 4-facher Titer-Anstieg als positive Impfantwort interpretiert, wobei zur Beurteilung eine Bestimmung des Antikörpertiters im Serum vor der Impfung als Ausgangswert notwendig ist. Letztlich schließt eine negative Serologie eine positive, protektive Immunantwort nicht immer aus, da neben der humoralen auch eine zelluläre Immunantwort induziert wird. Daher können die angegebenen Werte nur als Korrelate für einen vorhandenen Schutz betrachtet werden.“

Um im Verlauf aussagefähige Werte zu erhalten, sollten die verwendeten Testverfahren immer gleich sein. Denn verschiedene Tests liefern verschiedene Ergebnisse. Am besten erfolgen die Tests immer im selben Labor.

Braucht es einen Antikörpertest vor der Booster-Impfung?

Nein, generell wird keine Antikörpertest für eine Auffrischimpfung benötigt. Aktuell wird allen Menschen die dritte Injektion sechs Monate nach Beendiung des Impfregimes empfohlen. Ausnahme: Stark immunsupprimierte Personen sollten bereits 28 Tage nach der zweiten Dosis die dritte Injektion erhalten. Diese Zulassungserweiterung basiert auf begrenzten Daten einer Fallserie mit organtransplantierten Personen. Ein Antikörpertest vor Booster Impfung ist aufgrund der fehlenden belastbaren Grenzwerte bei Antikörperkonzentrationen kein Muss. Gleichzeitig besteht nach aktuellem Kenntnisstand kein Risiko für den Impfling, wenn die dritte Impfung trotz hoher Antikörpertiter durchgeführt wird.

Was können Antikörpertests in der Apotheke und wo sind die Grenzen?

Apotheker:innen, die Antikörper-Schnelltests anbieten, befinden sich in der Zwickmühle. Einerseits ist das Interesse der Kund:innen da. Viele fragen sich, ob der Körper den benötigten Schutz durch die Impfung auch tatsächlich aufgebaut hat – sie möchten Gewissheit haben. Auf der anderen Seite kann der/die Apotheker:in trotz quantitativen Analysegerät keine 100-prozentige Gewissheit liefern. Denn solche Antikörpertests zeigen nur einen Teil der Immunantwort. Die ermittelten Werte beziehen sich auf die humorale Immunantwort (Antikörper). Die zelluläre Immunantwort (T-Zellen) bleibt im Verborgenen.

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