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Wenn die Antikörper schwinden

Was können die Booster-Impfungen?

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Berlin -

Die Frage nach einem ausreichenden Impfschutz treibt immer mehr Menschen um, denn mittlerweile ist klar: Der Schutz hält oftmals nicht so lange wie zunächst erhofft. Viele Geimpfte sind auch nach der zweiten Dosis nicht sicher geschützt. Booster-Impfungen rücken damit immer mehr in den Fokus – in Praxen und bei Impfterminen bilden sich derzeit lange Warteschlangen. Israel war eines der ersten Länder, in dem Drittimpfungen durchgeführt wurden. Eine große Studie liefert nun neue Erkenntnisse.

Israel war in der Pandemie bereits häufiger Vorreiter für andere Länder. Auch bei der Einführung der Drittimpfungen war das Land ganz vorne mit dabei. Die Booster-Impfungen werden dort bereits großflächig eingesetzt. Forscher:innen haben nun nach mehr als einer Million Booster-Impfungen ein Resümee gezogen. Die Impfung erhalten können in Israel alle Menschen ab einem Alter von zwölf Jahren, deren zweite Biontech-Impfung mindestens fünf Monate zurückliegt.

Um zu ermitteln, welchen Effekt die dritte Dosis hat, hat das Team etwa 728.000 dreifach Geimpfte mit ebenso vielen zweifach Geimpften verglichen. Es wurde darauf geachtet, dass die Risikofaktoren für einen schweren Verlauf – Alter, Vorerkrankungen und Geschlecht – in beiden Gruppen etwa gleich waren. Die Teilnehmer:innen waren durchschnittlich 52 Jahre alt. Besonderes Augenmerk lag bei der Untersuchung auf schweren Covid-Verläufen, Hospitalisierungen und Todesfällen. Die Proband:innen wurden ab dem siebten Tag nach der Drittimpfung im Mittel zwei Wochen beobachtet. Dabei zeigten sich folgende Ergebnisse:

  • Hospitalisierungen

    • Drittimpfung: 29 Menschen
    • Zweitimpfung: 231 Menschen
    • Wirksamkeit: 93 Prozent gegenüber der zweifachen Impfung
  • Schwere Covid-Verläufe

    • Drittimpfung: 17 Menschen
    • Zweitimpfung: 157 Menschen
    • Wirksamkeit: 92 Prozent gegenüber der zweifachen Impfung
  • Todesfälle

    • Drittmpfung: 7 Menschen
    • Zweitimpfung: 44 Menschen
    • Wirksamkeit: 81 Prozent gegenüber der zweifachen Impfung

Die Forscher:innen betonen, dass es in Bezug auf die Wirksamkeit kaum Unterschiede zwischen Männern und Frauen gab. Auch in den verschiedenen Altersgruppen seien die Werte ähnlich gewesen. Bei Menschen ab 40 Jahren habe sich die Effektivität nicht mit dem Alter verändert. Bei Menschen unter 40 Jahren seien die schweren Verläufe allerdings so selten gewesen, dass die Wirksamkeit der Drittimpfung nicht abgeschätzt werden konnte.

Wann steigt der Impfschutz wieder?

Doch ein weiterer Aspekt ist interessant: Ab wann steigert sich der Impfschutz nach erhaltener Booster-Impfung wieder? Erste Effekte konnten die Wissenschaftler:innen sieben bis zwölf Tage nach der Drittimpfung feststellen. Es zeigten sich wieder mehr neutralisierende Antikörper im Blut. Da diese jedoch nur teilweise Auskunft über den Immunschutz geben, kann keine genaue Aussage darüber getroffen werden, wann der Impfschutz nach der Booster-Impfung wieder sein Maximum erreicht. Nach der Grundimmunisierung geht das Robert-Koch-Institut (RKI) von rund 14 Tagen aus. Bislang gilt man daher erst zwei Wochen nach der zweiten Impfung als immunisiert.

Die Studie bezieht sich nur auf die Booster-Impfungen von Biontech/Pfizer. Sie gibt keine Rückschlüsse über andere Vakzine. Teilweise sind die Booster-Impfungen umstritten: Es müsse eine sorgfältige Abwägung von Nutzen und Risiken stattfinden, bevor geboostert wird, fordern viele Wissenschaftler:innen. Außerdem seien Sicherheitsdaten über mögliche Komplikationen zur dritten Impfung notwendig. Einige verweisen zudem darauf, dass in vielen Ländern noch immer Impfstoffknappheit herrscht: Viele Menschen dort sind noch gar nicht geimpft, während andere Länder sich bereits Gedanken über Drittimpfungen machen. Ein breites Angebot für Booster-Impfungen könnte die Impfstoffknappheit in anderen Staaten noch verstärken.

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