Rund 180 Antikörpertests durchgeführt

„Mini-Studie“: Apotheker fordert Boostern nach drei Monaten

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Berlin -

Der Ruf nach früheren Auffrischimpfungen gegen Covid-19 wird lauter. Wann ein sogenannter Booster notwendig ist, wird aktuell diskutiert. Einen Hinweis auf die vorliegende Immunantwort nach der Zweitimpfung oder einer Infektion liefern Antikörpertests. Immer mehr Apotheken bieten diesen Service als Selbstzahlerleistung an. Dr. Nojan Nejatian prüft die Werte seit September und erstellte eine Auswertung. Nach knapp 180 Tests warnt er davor, sechs Monate bis zur nächsten Schutzimpfung zu warten.

Die Nachfrage nach Antikörpertests in Apotheken steigt. Am Markt sind verschiedene Geräte erhältlich, die CE-zertifiziert sind und eine Überwachung der Impfreaktion ermöglichen. In der Heegbach Apotheke im hessischen Erzhausen kommen Kund:innen aus der Region, um sich über ihren Antikörper-Status zu informieren. Rund 180 Tests führte ds Team von Inhaber Nejatian bereits durch. Die Ergebnisse führte er jetzt zusammen und wertete sie aus. Das Ergebnis: „Teilweise ist der Antikörper-Wert schrecklich gering.“

Der Apotheker orientiert sich bei der Einordnung der Werte an den Vorgaben des Herstellers. Als negativ wird ein Wert zwischen 0 und 50 BAU/ml gewertet. Eine geringe Antikörperzahl liegt demnach zwischen 50 und 250 BAU/ml vor. Im mittleren Bereich befinden sich Menschen mit einem Wert zwischen 250 und 500 BAU/ml. Eine hohe Antikörperzahl liegt darüber. BAU steht für die Einheit „Binding Antibody Units“ pro Milliliter.

Gemischte Ergebnisse

In der Auswertung nahm der Apotheker das Alter der Kund:innen, den Impfstoff sowie das Datum der Zweitimpfung und die Anzahl der Tage, die zwischen den Impfungen liegen, auf. Datenschutzrelevante Informationen seien dabei nicht erhoben worden, betont Nejatian. Bereits nach einer etwa vier und fünf Monate zurückliegenden Zweitimpfung stellte der Apotheker bei rund zehn Kund:innen fest, dass der Wert zwischen 0 und 50 BAU/ml lag. Einen geringen Wert zwischen 250 und 500 BAU/ml hatten 25. Nach sechs Monaten lag dieser bei fast 20 Kund:innen.

Insgesamt sind die Ergebnisse sehr gemischt. In der Top-10 der höchsten Antikörpernachweise war beispielsweise eine 76-jährige Kundin. Bei einer 70-jährigen Frau etwa, die im Juni das zweite Mal mit Comirnaty geimpft worden sei, habe der Wert dagegen nur 7 BAU/ml betragen. Auch jüngere Kund:innen nutzten das Selbstzahlerangebot der Apotheke. Bei den 16 unter 40-Jährigen stellte der Apotheker fest, dass die Werte bei sechs Kund:innen zwischen 250 und 500 BAU/ml lagen; bei neun sogar darunter. Ein 27-Jähriger ließ Anfang November seinen Antikörperwert bestimmen. Er erhielt ebenfalls zweimal den Biontech-Impfstoff, die letzte Immunisierung fand Mitte Mai statt. Bei ihm lag der Wert bei 140 BAU/ml.

In die Erhebung des Apothekers fließen jedoch beispielsweise keine Vorerkrankungen mit ein. Dass es sich bei der „Mini-Studie“ um keine wissenschaftliche Auswertung handelt, ist dem Apotheker bewusst. Der Apotheker will mit seiner Auswertung die Debatte um die Chancen von Antikörpertests weiter anstoßen. „Man muss sich damit auseinandersetzen, da Antikörpertests eine Möglichkeit sind, um die vierte Welle abzumildern.“ Antikörpertests pauschal zu kritisieren sei „zu kurz gedacht“.

Nächste Impfaktion am Sonntag

„Die Methode ist zuverlässig“, betont er. „Momentan bilde ich die Vogelperspektive ab. Natürlich muss untersucht werden, wie sich die Werte beispielsweise vor und nach der Impfung verhalten.“ Nejatian ist bereits in Kontakt mit der Universität Frankfurt, um eine neue wissenschaftliche Untersuchung anzustoßen. „Finanziell fehlt mir noch die Unterstützung“, sagt er.

Der Apotheker fordert Boosterimpfung nach drei Monaten. Er selbst organisiert gemeinsam mit Ärzt:innen regelmäßig Impfaktionen. Die nächste findet am Sonntag statt, zu der sich ein ganzes Apothekenteam angekündigt habe. Es sei nicht richtig, dass man sechs Monate lang nach der zweiten Impfung sicher vor Sars-Cov-2 geschützt sei. Die Kosten für die Antikörpertests müssten einmal pro Monat von den Krankenkassen übernommen werden, fordert Nejatian. Aktuell verlangen Apotheken bis zu 100 Euro pro Test.

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