Moderna: Antikörpertiter und Durchbruchsinfektionen

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Berlin -

Immer wieder wird das Thema Antikörpermessungen diskutiert. Aktuell gibt es keine definierten Werte für „gute“ Antikörpertiter. Zudem stellen die neutralisierenden Antikörper nur einen Teil der körpereigenen Immunantwort dar. Moderna hat im Rahmen der klinischen Studien Beobachtungen zu abnehmenden Antikörpertitern gemacht. Booster-Impfungen nach sechs Monaten sind laut Unternehmensangaben empfehlenswert.

Die Schutzwirkung einer Corona-Impfung lässt mit der Zeit nach, soweit sind sich Wissenschaftler:innen und Mediziner:innen einig. Ab wann der Impfschutz nicht mehr ausreicht, und eine Booster-Impfung angebracht wäre, ist schwer zu sagen. Bislang liegen keine definierten „gute“ Werte für Antikörpertiter vor. In den Studien der Hersteller lässt sich jedoch erkennen, dass der Impfschutz mit den Monaten abnimmt, so empfiehlt auch Moderna eine Booster-Impfung nach sechs Monaten.

Geringerer Schutz nach sechs Monaten – vor allem gegen Delta

Moderna hatte bei der Entwicklung von Spikevax frühzeitig die Option einer Auffrischimpfung mit im Konzept. „Die klinische Phase-II-Studie zu mRNA-1273 wurde dahingehend angepasst, dass interessierten Teilnehmern sechs bis acht Monate nach der zweiten Dosis eine Auffrischungsdosis von mRNA-1273 in der Dosierung von 50 µg angeboten wurde“, berichtet ein Sprecher des Unternehmens. „Die neutralisierenden Antikörpertiter hatten vor der Auffrischung, insbesondere gegen besorgniserregende Varianten, nach etwa sechs Monaten abgenommen. Eine Auffrischungsdosis von mRNA-1273 in der Dosierung von 50 µg erhöhte die neutralisierenden Antikörpertiter deutlich über den Phase-III-Benchmark.“

Auch Durchbruchsinfektionen wurden untersucht

Moderna beschäftigt sich auch mit möglichen Impfdurchbrüchen nach der Grundimmunisierung mit Spikevax. So gab Moderna im September bekannt, dass das Unternehmen die Daten der Nachbeobachtungszeit von Teilnehmer:innen der Phase-III-Studie Cove mit dem Fokus auf Impfdurchbrüche analysiert und auswertet. Im Ergebnis zeigte sich, dass Teilnehmer:innen, die ausschließlich im vergangenen Jahr 2020 geimpft wurden (Median: 13 Monate nach der ersten Dosis) ein höheres Risiko für Durchbruchsinfektionen zeigten, als Teilnehmer:innen, die vor kürzerer Zeit geimpft wurden (Median: 8 Monate nach der ersten Dosis).

„Ziel der Analyse war es, die Auswirkungen der nachlassenden Immunität angesichts der Delta-Welle in den Vereinigten Staaten zu quantifizieren“, erläutert Moderna. Die Analyse verglich zwei Gruppen von Teilnehmer:innen. Zum einen Teilnehmer:innen, die ursprünglich mit Blick auf mRNA-1273 randomisiert wurden (geimpft von Juli bis Oktober 2020; n=14.746; Nachbeobachtungszeit im Median von 13 Monaten seit der ersten Dosis). Zum anderen Teilnehmer:innen, die ursprünglich auf Placebo randomisiert wurden und die nach der Notfallzulassung in den USA geimpft wurden (geimpft von Dezember 2020 bis März 2021; n=11.431; Nachbeobachtungszeit im Median von 8 Monaten seit der ersten Dosis).

„In der Analyse traten 88 Durchbruchsfälle von Covid-19 in der vor kürzerer Zeit geimpften Gruppe auf (49,0 Fälle pro 1000 Personenjahre). Als Vergleich zeigten sich 162 Fälle in der ausschließlich im vergangenen Jahr geimpften Gruppe (77,1 Fälle pro 1000 Personenjahre). Die Verringerung der Inzidenzraten bei Teilnehmern, die vor kürzerer Zeit geimpft wurden, gegenüber Teilnehmern, die ausschließlich im vergangenen Jahr geimpft wurden, betrug 36 Prozent“, erläutert der Hersteller. Das erhöhte Risiko eines Durchbruchs in dieser Analyse quantifiziere laut Moderna die Auswirkungen der nachlassenden Immunität in der Cove-Studie zwischen der mittleren Nachbeobachtungszeit von 8 Monaten und 13 Monaten seit der ersten Dosis. „Das Unternehmen ist der Ansicht, dass dies ein weiterer Beleg für den potenziellen Nutzen einer Auffrischungsdosis von mRNA-1273 ist“, so Moderna.

Ein Manuskript wurde als Preprint bei medRxiv eingereicht. es wird zur Peer-Review-Veröffentlichung eingereicht werden.

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