Erst Armutskrise, dann Covid-19: Eine deutsche Apothekerin hilft in Argentinien

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Berlin - Erst war die Lage dramatisch, dann begann die Krise: So ließe sich die Situation Argentiniens zusammenfassen. Die Covid-19-Pandemie trifft auf einen Staat, der de facto bankrott ist. Für die Menschen in den Armutsvierteln des einst wohlhabenden Landes sind die Folgen katastrophal. Es ist nicht Sars-CoV-2 selbst, sondern die Maßnahmen zum Schutz vor dem Virus, wegen derer Millionen Menschen vor den Scherben ihrer Existenz stehen. Was folgt, ist eine humanitäre Krise. Dr. Carina Vetye ist für Apotheker ohne Grenzen vor Ort und versucht zu helfen, wo sie nur kann.

Schaut man nur auf die offiziellen Zahlen, steht Argentinien eigentlich gut da: Laut Johns Hopkins University hat das Land mit rund 32.000 Infektionen und 850 Todesfällen im internationalen Vergleich noch eher wenige Opfer zu beklagen. Doch das ist noch nicht einmal die halbe Wahrheit. „Den offiziellen Zahlen ist nicht zu trauen, allein schon weil die Zahl der Tests hier lächerlich ist“, sagt Vetye. „Ich habe keine Ahnung, wie viele Fälle es in Wirklichkeit gibt. Für mich ist ausschlaggebend, was in den Krankenhäusern und Gesundheitszentren passiert.“ Und das ist dramatisch, denn die Maßnahmen der Regierung retten zwar Menschenleben vor Covid-19, stürzen aber gleichzeitig Millionen in noch größeres Elend und gefährden ihre Gesundheit wiederum dadurch. Es ist ein grausames moralisches Dilemma.

Denn Argentinien war schon vor der Pandemie wirtschaftlich am Ende – mal wieder. Einst das wohlhabendste Land Südamerikas, wurde es in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich heruntergewirtschaftet. „Egal von welcher Partei, niemand hat sich jemals nachhaltig um die Probleme des Landes gekümmert. Es geht seit Jahrzehnten nur bergab. Argentinien ist eines der wenigen Länder auf der Welt, in denen es den Enkeln schlechter geht als ihren Großeltern damals“, erklärt Vetye. Und sie weiß, wovon sie spricht: Die Doppelstaatsbürgerin ist gebürtige Argentinierin mit europäischen Vorfahren. Ihr Großvater kam 1925 ins Land, als es noch blühte. 1988 verließ seine Enkelin es mangels Perspektive wieder und ging nach Deutschland, ließ Approbation und Promotion hier anerkennen, arbeitete in der Arzneimittelzulassung und als Vertretung in Apotheken, um dann schließlich erst in Teil- und dann in Vollzeit zu Apotheker ohne Grenzen zu wechseln. Dort baute sie ab 2002 das Argentinien-Projekt der humanitären Hilfsorganisation auf.

Denn die wirtschaftliche Lage in ihrer alten Heimat war auch damals schon katastrophal. Zuletzt rutschte das Land 2001 in den Staatsbankrott, erholte sich dann ein wenig, hatte seitdem aber immer wieder mit schweren Wirtschaftskrisen zu kämpfen. Nun steht Argentinien wieder kurz vor der Situation von 2001. Ende Mai hätte der Staat 503 Millionen Euro an Zinsen zurückzahlen müssen ­und konnte das nicht mehr. „Argentinien ist de facto zahlungsunfähig. Momentan wird noch mit den Gläubigern verhandelt, nur deshalb wurde die Staatspleite noch nicht offiziell verkündet“, erklärt sie.

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