Das Kry-Experiment

, Uhr

Berlin - Mit Kry ist ein neuer Big Player auf den deutschen Telemedizin-Markt gestoßen – der noch dazu mit DocMorris kooperiert. Patienten können sich am Handy behandeln und eine elektronische Verordnung ausstellen lassen, um sie in einer Apotheke vor Ort einzulösen – oder sie zu DocMorris zu schicken. Geht das wirklich? Wie kommt das E-Rezept in die Apotheke? Wir haben es einfach mal selbst versucht: Mit echter Identität und vorgetäuschter Krankheit haben wir uns ein Rezept ausstellen lassen, um es in einer Vor-Ort-Apotheke einzulösen. Doch so einfach ist das gar nicht.

Die Anmeldung läuft schon mal unkompliziert. Es müssen Name, Geburtsdatum, Adresse, Telefonnummer und E-Mail-Adresse angegeben werden. Daraufhin wird man gefragt, wo man krankenversichert ist – und zwar mit dem Hinweis, dass man nur bei einer privaten Krankenversicherung die Erstattung der Kosten beantragen kann. „Wenn du gesetzlich krankenversichert bist, kannst du zwar mit einem Arzt sprechen, erhältst aber keine Kostenerstattung für den Termin.“ Wir klicken auf „Versicherung überspringen“.

Daraufhin wird der nächstmögliche Termin angezeigt. Es ist 16.12 Uhr und wir können einen Termin um 16.20 Uhr buchen – was wir auch tun. Die Kry-App fragt uns: „Wobei können wir dir helfen?“ Von A wie Akne bis V wie Verstopfung werden zahlreiche Beschwerdebilder angezeigt. Wir haben einen Harnwegsinfekt und klicken auch darauf. Es erscheint ein Warnhinweis, der auf das konkrete Beschwerdebild zugeschnitten scheint: „Wichtig zu wissen: Lass dich in einer Arztpraxis oder beim Notarzt behandeln, wenn du Fieber oder wiederkehrende starke Schmerzen hast, oder wenn du vor kurzem am Bauch operiert wurdest.“

Wir klicken auf weiter und werden gefragt, wie lange die Harnwegsinfektion schon besteht – einen bis zwei Tage. Im nächsten Fenster sollen wir zutreffende Symptome auswählen: Wir haben ein Stechen und Brennen beim Wasserlassen, häufigeres Wasserlassen als sonst und Blut im Urin. „Nimmst du zurzeit irgendwelche Medikamente?“ und „Bist du auf irgendwelche Medikamente allergisch?“, fragt die App uns. Auch ob wir in den letzten drei Monaten ungeschützten Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnern hatten, will Kry wissen – aber wir leben monogam und verhüten vorbildlich. Und dann will Kry noch wissen, ob der Arzt unsere Patientenakte einsehen darf. Natürlich darf er das. Erst als diese Schritte abgeschlossen sind, können wir unsere Buchung bestätigen. Alles dauerte nur etwas mehr als eine Minute. Es ist 16.13 Uhr und wir beginnen zu warten.

APOTHEKE ADHOC Debatte

Mehr zum Thema

„Kartenhersteller wahrscheinlich überfordert“
KBV: Komplizierte Signatur verhindert E-Rezept-Einführung »
Finden über Plattform, binden über URL
Wave: Apotheken-Website als Mini-Amazon »

Mehr aus Ressort

„Irrsinn der Prioritätsignoranz“
Impfapotheker kritisiert Hausärzte »
Nur noch Zweitimpfungen in Impfzentren
Abschied von AstraZeneca »
Weiteres
„Kartenhersteller wahrscheinlich überfordert“
KBV: Komplizierte Signatur verhindert E-Rezept-Einführung»
Datenübermittlung für das E-Rezept
Apotheker sollen für Versender zahlen»
Wachstum um ein Viertel
DocMorris beerdigt Apo-Rot»
Erst ab der 201. Lieferung 20 Cent pro Fahrt
Apomap: Botendienst-Software wird kostenlos»
„Irrsinn der Prioritätsignoranz“
Impfapotheker kritisiert Hausärzte»
Nur noch Zweitimpfungen in Impfzentren
Abschied von AstraZeneca»
Neue arbeitsrechtliche Fragen
Positiver Test als Kurzurlaub»
Testpflicht in Sachsen und Berlin
Laientests nur unter Aufsicht»
Benzodiazepine, Neuroleptika & Co.
Alkoholabusus: Behandlung oft Off-Label»
Hormone, Schwangerschaft & Co.
Dehnungsstreifen: Irreparable Hautschäden»
Ausschlag ohne eindeutige Ursache
Update: Dyshidrose»
Mehr Feuchtigkeit, stärkere Barriere
Ectoin in der Allergiepflege»

Copyright © 2007 - 2021, APOTHEKE ADHOC ist ein Dienst der EL PATO Medien GmbH / Pariser Platz 6A / 10117 Berlin Geschäftsführer: Patrick Hollstein, Thomas Bellartz / Amtsgericht Berlin Charlottenburg / HRB 204 379 B