E-Rezept: „Wir wollen alle Apotheken“

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Berlin - Das E-Rezept kommt und der Markt dafür wird gerade abgesteckt. Das zieht nicht nur Anbieter aus Deutschland an: Das schwedische Unternehmen Kry will ab Herbst mit seinem eigenen E-Rezept den deutschen Markt erobern. Im hohen Norden ist die Firma schon Marktführer, hierzulande geht es aber erst einmal Schritt für Schritt voran: Erst kommt ein kombiniertes Angebot aus Telemedizin und E-Rezept für PKV-Patienten, die Kassen sollen als nächstes kommen. Nur die Apotheken vor Ort zieren sich anscheinend noch.

Der Blick in die Zukunft geht oft gen Norden. 2002, als hierzulande das erste Mal eine elektronische Verordnung erprobt wurde, waren E-Rezepte in Schweden bereits Alltag. Heute sind über 99 Prozent der Rezepte in Schweden digital. „Es sind wahrscheinlich nur noch Urlauber, die noch Papierrezepte in eine Apotheke bringen“, sagt Kry-Deutschlandchefin Dr. Cristina Koehn. Kry ist nach eigenen Angaben Telemedizin-Marktführer in Schweden.

Wie groß der Marktanteil von Kry ist, kann sie aber nicht sagen. „Es gibt in Schweden ein zentrales System, in das alle E-Rezepte eingespeist werden, da kann jeder teilnehmen, aber es gibt eben auch viele kleinteilige Lösungen“, erklärt Koehn. Der schwedische Patient bekommt von Marktanteilen hinter der Verordnung nicht viel mit, für ihn ist das System denkbar bequem: Der Arzt stellt ein Rezept aus, das auf einem staatlichen Server gespeichert wird. Der Patient erhält nichts, er geht nur in die nächste Apotheke und zeigt seinen Personalausweis vor. Die Apotheke sieht sich dann das Rezept auf dem Server an, bedient es und markiert es als abgeschlossen. Quasi nebenbei kann die Apotheke dabei auch die vergangenen Rezepte des Patienten sehen – und die bisherige Medikation gegebenenfalls mit in die Beratung einbeziehen.

Diese Einsicht erinnert an den Streit um die Zugangsberechtigungen in der elektronischen Gesundheitsakte. „Auch in Schweden muss der Patient aber immer explizit zustimmen, wenn ein Gesundheitsdienstleister auf seine Daten zustimmt“, erklärt Koehn. „Insgesamt muss man aber sagen, dass die Schweden bei dem Thema weniger sensibel sind als die Deutschen. Es gibt da ein über Jahrzehnte etabliertes staatliches Gesundheitssystem, dem die Menschen vertrauen.“ Koehn kennt dieses System, sie hat selbst jahrelang in Schweden gelebt und war bei Kry an der Markteinführung der Kry-App samt E-Rezept in Frankreich, Großbritannien und Norwegen beteiligt.

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