Langjährige Kunden benachteiligt

AvP-Apotheker müssen Jahre auf ihr Geld warten Alexander Müller, 23.09.2020 10:38 Uhr

Berlin - Beim insolventen Rechenzentrum AvP sind Forderungen in dreistelliger Millionenhöhe offen. Die Apotheker hoffen noch darauf, dass ihre Rezeptguthaben aus der Insolvenzmasse ausgesondert werden. Aber das ist laut dem vorläufigen Insolvenzverwalter Dr. Jan-Philipp Hoss alles andere als sicher und hängt von den jeweiligen Verträgen ab. Vor allem langjährige Kunden könnten schlechter gestellt sein. Aber selbst wenn es dazu kommt, müssen die Apotheker wohl noch Jahre auf ihr Geld warten.

AvP hat nach eigenen Angaben ein jährliches Abrechnungsvolumen von mehr als sieben Milliarden Euro. Auf den Monat gerechnet entspricht das einem Betrag von etwa 580 Millionen Euro. Da ein Teil der Apotheker für den Monat September noch eine Abschlagszahlung erhalten hat, liegt der insgesamt offene Betrag darunter, jedenfalls handelt es sich aber um einen dreistelligen Millionenbetrag.

Zwar hat Hoos im Video-Interview mit APOTHEKE ADHOC keine Aussagen zum verbliebenen Vermögen bei AvP oder der Höhe der Forderungen gemacht. „Was schon heute feststeht: Selbst wenn man die Rezepte addiert mit den Guthaben auf den Konten, wird es nicht zu einer Vollbefriedigung der Apotheken kommen. Es fehlt also Geld. Um welche Beträge es sich handelt, das kann ich heute noch nicht sagen.“ Wie hoch die von Hoos in Aussicht gestellte „signifikante Quote“ am Ende sein wird, kann auch er heute nicht verlässlich beziffern.

Knapp 3500 Apotheken haben bei AvP abgerechnet. Wer im September noch Geld erhalten hat, muss dies sehr wahrscheinlich nicht zurückzahlen – schließlich wussten die Apotheken nichts von der drohenden Insolvenz. Diese Kunden hatten einfach Glück. Fast alle AvP-Kunden melden sich bei Hoos und pochen auf ihre Rezeptguthaben. Ob ein Aussonderungsrecht wirklich besteht, muss Hoos aber erst noch prüfen. „Wenn Zahlungen bevorrechtigt an Apotheker vorgenommen werden, bedeutet das einen Nachteil für alle anderen Gläubiger.“

Schon die Prüfung sei eine Sache von Monaten, so Hoos. Und aus seiner Sicht ist es eher wahrscheinlich, dass eine Aussonderung von anderen Gläubigern – etwa den Banken – juristisch angegriffen würde. „Das sind komplexe Rechtsfragen. Sollte es zu einem Rechtsstreit kommen, könnte das durch mehrere Instanzen gehen – bis hoch zum Bundesgerichtshof“, erklärt der Insolvenzverwalter. Und solange ein Rechtsstreit anhängig ist, sei eine Auszahlung unmöglich. „Damit meine ich nicht nur Zahlungen aus einem Aussonderungsrecht, sondern auch Quotenzahlungen an alle Gläubiger.“

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