Vorsicht bei Doxycyclin und Glimepirid | APOTHEKE ADHOC
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Vorsicht bei Doxycyclin und Glimepirid

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Berlin -

Überwachung angezeigt: Milch und Antazida nur mit zeitlichem Abstand zum Doxycyclin sowie keine ausgedehnten Sonnenbäder, die Grundregeln kennt jeder. Aber was passiert bei der Kombination mit Glimepirid? Bei der gleichzeitigen Einnahme von Tetracyclinen und Sulfonylharnstoffen ist eine Blutzuckerkontrolle nötig.

Fall: Eine Stammkundin möchte ein Rezept über Doxycyclin einlösen. Verordnet ist die Stärke 200 mg zu 20 Tabletten. Nachdem die Frau von einer Zecke gebissen wurde, bildete sich ein scharf abgegrenzter roter Ring. Außerdem klagte die Kundin über Abgeschlagenheit. Der Arzt verordnete darum das Antibiotikum. Der Blick in die Kundenkarte verrät, dass die Frau Glimepirid einnimmt. Eine Kombination bei der Vorsicht angezeigt ist.

Analyse: Antibiotika aus der Stoffgruppe der Tetracycline können die blutzuckersenkende Wirkung von Sulfonylharnstoffen wie Glimepirid verstärken. Ursache ist eine Verminderung der Plasmaproteinbindung. Es besteht die Gefahr einer Hypoglykämie.

Doxycyclin ist ein Antibiotikum aus der Stoffgruppe der Tetracycline und besitzt vorwiegend bakteriostatische Eigenschaften. Der Wirkstoff hemmt die Proteinbiosynthese durch eine reversible Blockade der Bindungsstelle an der 30S-Untereinheit des Ribosoms. Dem Antibiotikum werden nicht nur eine Wirkung gegen grampositive und gramnegative Bakterien zugesprochen, sondern auch entzündungshemmende und antiparasitäre Eigenschaften. Hieraus ergibt sich der Einsatz bei Rosacea und Acne vulgaris sowie zur Malariaprohylaxe.

Wird das Tetracyclin zur Borreliose-Therapie eingesetzt, werden täglich 200 mg Wirkstoff über mindestens 14 Tage eingenommen. Empfohlen ist eine Behandlung über etwa drei Wochen. Die einmalige Gabe sollte vorzugsweise am Morgen mit dem Frühstück zur gleichen Uhrzeit erfolgen. Der Arzneistoff kann die Speiseröhre reizen, daher ist von einer Einnahme unmittelbar vor dem Schlafengehen abzuraten. Empfindliche Patienten können durch das Schlucken der Tablette nach oder während einer Mahlzeit das Auftreten von Magen-Darm-Störungen vermindern. Die Einnahme erfolgt stets mit Wasser, zu Milch- und Milchprodukten ist ein zeitlicher Abstand von etwa zwei Stunden zu halten. Zu Magnesium-, Eisen- und Zinkhaltigen Präparaten sowie zu Antazida ist ein Einnahmeabstand von zwei bis drei Stunden empfohlen.

Glimepirid ist ein orales Antidiabetikum aus der Gruppe der Sulfonylharnstoff-Derivate und kommt bei nicht-insulinpfichtigen Diabetikern zum Einsatz. Metabolisiert wird der Wirkstoff über CYP2C9. Der Arzneistoff stimuliert die Insulinfreisetzung aus den Betazellen des Pankreas durch Schließen der ATP-abhängigen Kaliumkanäle. Es kommt zur Depolarisation der Betazelle und zum Öffnen der Calciumkanäle. Strömt mehr Calcium in die Zelle ein, wird durch Exozytose mehr Insulin freigesetzt. Das Antidiabetikum kann außerdem die Insulinempfindlichkeit des peripheren Gewebes erhöhen und die hepatische Insulinaufnahme verringern. Glimepirid kann die Anzahl der aktiven Glucosetransportmoleküle erhöhen und somit die Glucoseaufnahme in den Muskelzellen erhöhen.

Das Arzneimittel wird zur Behandlung von Diabetes Typ 2 eingesetzt, wenn Diät, körperliche Aktivität und Gewichtsreduktion nicht ausreichen. Erste Wahl ist jedoch nach wie vor Metformin. Die Dosierung von Glimepirid erfolgt individuell und wird mit 1 mg pro Tag begonnen. Die Einnahme erfolgt unzerkaut und mit Flüssigkeit.

Kommunikation: Die Kundin sollte auf die mögliche Wechselwirkung zwischen dem oralen Antidiabetikum und dem Antibiotikum hingewiesen werden. Da die Einnahme von Doxycyclin über einen längeren Zeitraum erfolgt, sollte der behandelnde Diabetologe informiert werden.

Therapie: Während der kombinierten Einnahme beider Arzneimittel sollte der Blutzuckerspiegel engmaschig überwacht werden. Gegebenenfalls ist eine Dosisanpassung in Form einer Dosisreduktion von Glimepirid notwendig. Darüber sollte der Arzt entscheiden. Außerdem sollte die Kundin darauf achten, keine Mahlzeit auszulassen und in regelmäßigen Abständen zu essen, da sich sonst die Gefahr einer Hypoglykämie erhöhen kann. Mögliche Symptome können Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, Unruhe, Heißhunger, Sprach- und Sehstörungen oder Konzentrationsstörungen sein.

Antibiotika sind in ihrer Wirkung gegenüber Bakterien nicht selektiv und können auch gesunde Bakterien abtöten. Die gleichzeitige Gabe von Darmbakterien kann Antibiotika-assoziierte Durchfälle mildern. Dazu wird einmal täglich ein entsprechendes Präparat eingenommen. Wichtig ist, auf eine zum Antibiotikum zeitlich versetzte Anwendung von etwa zwei bis drei Stunden zu achten. Die Anwendung von Saccharomyces boulardii hat sich ebenso gegen die Durchfälle bewährt.

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