Rezeptbetrug: PTA mit Chef auf Fälschertour

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Nordhausen - Ein Ehepaar, eine Liebesbeziehung, eine kriminelle Bande – und alles aus nur drei Personen. In Nordhausen stehen eine Apothekerin, ihr Ehemann und eine PTA vor Gericht. Sie sollen ein ausgeklügeltes System entwickelt haben, über das sie jahrelang mit gefälschten Rezepten Geld erschlichen haben, um ihren strauchelnden Betrieb vor der Schließung zu retten. Mindestens 80.000 Euro sind es, für die ihnen bis zu vier Jahren Gefängnis drohen. Das ist aber nur die Spitze des Eisberges. Der tatsächliche Betrag liegt höchstwahrscheinlich um ein Vielfaches höher und könnte noch gesondert verhandelt werden.

„Wir haben bei den Ermittlungen festgestellt, dass es sehr viele Lücken im Abrechnungssystem der Krankenkassen gibt, die die drei geschickt auszunutzen wussten“, erzählt Oberstaatsanwalt Gert Störmer am Rande des Prozesses. „Deshalb waren die Täter immer einen Schritt voraus.“ Störmer unterstanden drei Jahre lang die Ermittlungen in dem Fall, darunter anderthalb Jahre die Sonderkommission „Pille“, die ab Ende 2017 einer bundesweiten Kette von Rezeptbetrugsfällen nachging und versuchte, Muster und Zusammenhänge zu erkennen. 24 Leitz-Ordner füllte sie so mit Ermittlungsakten – und erreichte ihr Ziel, nicht zuletzt durch wochenlange Observierungen und abgehörte Telefone.

Im Mai war es dann so weit: 60 Beamte und vier Staatsanwälte durchsuchten mehrere Wohnungen und Geschäftsräume in Brandenburg, Berlin und Niedersachsen – seitdem sitzen zwei der drei Angeklagten in Untersuchungshaft. Am Donnerstagmorgen begann nun endlich ihr Prozess vor dem Amtsgericht Nordhausen.

Der 61-jährigen Apothekerin Heike K., ihrem 58-jährigen Ehemann Manfred K. und der 35-jährigen PTA Jennifer R. wird gemeinschaftlicher und gewerbsmäßiger Betrug in Tateinheit mit gewerbsmäßiger Urkundenfälschung in 45 Fällen vorgeworfen. Um 80.321,46 Euro sollen sie Dutzende Krankenkassen betrogen haben, indem sie mit erschlichenen Patientendaten Rezepte fälschten, in verschiedenen Apotheken im gesamten Bundesgebiet einlösten und die Arzneimittel dann über die eigenen beiden Apotheken weiterverkauften.

Doch das sind nur die blanken Fakten. Die Geschichte dahinter ist weitaus abenteuerlicher: Der Ehemann der Apothekerin ist jeden Monat mit der PTA „auf Tour gegangen“, wie sie es selbst nennen. Dabei zogen sie alle Register konspirativer Arbeit: Mit Perücke und Brille verkleidet löste sie die gefälschten Rezepte für Präprate wie Humira, Xarelto, Lyrica, Pregabalin oder Betaferon ein. Die durfte sie laut Vorgabe ihres Chefs nur mit Handschuhen oder abgeklebten Fingern berühren. Die Nacht verbrachten sie gemeinsam in Hotels, die sie unter falschen Namen buchten.

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