Der Apothekenabschlag soll erhöht werden, und zwar zeitnah. Ungewiss ist hingegen, ob und wann das Fixum erhöht wird. „Die politische Lage ist derzeit extrem volatil“, fasst Abda-Präsident Thomas Preis in einem Brief an die Apotheker:innen die Gemengelage zusammen.
In den vergangenen Wochen gab es für Apotheken immer neue Hiobsbotschaften. Die Finanzkommission hat eine gestaffelte Honorarerhöhung ins Spiel gebracht, die Notfallreform ist ohne Notfallapotheken geplant und der Abschlag soll auf 2,07 Euro erhöht werden.
Dies führt zu verschiedenen offenen Fragen: „Hält die Koalition Wort und stärkt unsere Apotheken endlich über die zugesagte Erhöhung des Fixums? Wann können wir mit der zugesagten Honorar-Erhöhung rechnen? Wie geht es weiter mit den teils gefährlichen, strukturellen Veränderungen in der Apothekenreform (Zweigapotheken, Vertretungsregelungen, etc.)? Und warum müssen wir nun offenbar erneut an Sparmaßnahmen angebunden werden, obwohl wir durch den Honorar-Stillstand der vergangenen 13 Jahre schon extrem stark belastet sind und keinerlei wirtschaftliche Polster haben, um zusätzliche Belastungen zu stemmen?“
All diese Fragen würden in Berlin derzeit tagtäglich mit den in der Verantwortung stehenden politischen Entscheider:innen diskutiert, versichert Preis. „Wir lassen nicht daran zweifeln, wie wir die aktuellen Entwicklungen rund um das Apothekenhonorar einschätzen.“ Politiker:innen würden sehr deutlich daran erinnert, dass sie selbst im Koalitionsvertrag eine finanzielle Stärkung der Apotheken mit den festgesetzten 9,50 Euro sehr konkret fixiert haben.
„Jegliche Abschwächung, Anpassung, Verschiebung oder Konditionierung dieses politischen Versprechens ist für uns nicht akzeptabel“, so Preis. Eine verantwortungsvolle Gesundheitspolitik dürfe nicht länger dabei zuschauen, wie die Apotheken aus den Kommunen verschwinden und immer mehr Menschen weitere und kompliziertere Wege zurücklegen müssen.
„Eine verantwortungsvolle Gesundheitspolitik sorgt jetzt dafür, dass das Apothekensterben durch die Erhöhung des Fixums und weiterer wirtschaftlicher Stabilisierungsmaßnahmen gestoppt wird und dass die heilberuflichen Kompetenzen der Apothekenteams für die gute Versorgung von Bürgerinnen und Bürgern noch besser eingebunden werden!“
Preis versichert: „Genau diese Punkte habe ich in einem persönlichen Gespräch mit Bundesgesundheitsministerin Nina Warken am vergangenen Freitagnachmittag verdeutlicht!“ In einem konstruktiven Austausch habe er der Ministerin erklärt, wie groß das Sparvolumen der Apotheken in den vergangenen Jahren bereits gewesen sei. Durch das Einfrieren unseres Honorars spare die GKV Jahr für Jahr einen Milliardenbeitrag ein.
Hinzukomme, dass schon die letzte Bundesregierung einen zweijährigen, empfindlichen Sparbeitrag von den Apotheken abverlangt habe und dass der GKV über die Rabattverträge jährliche Einsparungen von mehr als sechs Milliarden Euro ermöglicht werden.
„Die Ministerin hat mir erneut verdeutlicht, dass sie am Koalitionsvertrag festhalten will und die Versorgung über die Apotheken stabilisieren und stärken will. Die erneute und wiederholte Zusage muss nun endlich umgesetzt werden“, so Preis. „Wir wissen, dass das Bundesgesundheitsministerium das Fixhonorar auch unabhängig von der politischen Diskussion auf EU-Ebene erhöhen kann – schnell und unkompliziert per Verordnung.“ Apotheken würden die Bundesregierung und Warken an ihren Worten messen.
In den kommenden Tagen seien weitere Gespräche mit Warken vereinbart. Das Ziel: Erfahren, zu welchen Ergebnissen die Koalitionäre bei ihren weiteren Beratungen gekommen seien.
Zudem appelliert Preis an die Apotheker:innen, noch einmal intensive, politische Gespräche mit allen drei Regierungsparteien zu führen und Politiker:innen auf Landes-und Bundesebene zu kontaktieren und zu erläutern, wie kritisch die Lage ist. „Werden Sie noch einmal aktiv, um unseren Forderungen in der jetzigen politisch entscheidenden Zeit Nachdruck zu verleihen.“