Notstand in Börger

Noch keine Apotheke trotz 25.000-Euro-Prämie

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Berlin -

Seit dem Sommer ist Börger ohne eigene Apotheke. 25.000 Euro Starthilfe für einen potenziellen neuen Pharmazeuten hat der Rat der Gemeinde im Emsland bewilligt. Doch die Resonanz hält sich bislang in Grenzen.

Aus Altersgründen schloss Hermann Rehbock Ende August 2017 seine Hümmling-Apotheke. Vergeblich hatte er über ein Jahr nach einem Nachfolger gesucht. Der Rat wollte einen besonderen Anreiz für potenzielle Neuansiedler schaffen. Einstimmig beschloss das Gremium Ende Oktober, eine einmalige Starthilfe in Höhe von 25.000 Euro auszuloben. Dafür muss sich der Aspirant verpflichten, mindestens fünf Jahre am Ort zu bleiben. Der Betrieb könnte sofort wieder eröffnen, doch bislang mochte kein Pharmazeut verbindlich zusagen, sich im 2800-Einwohner-Ort niederzulassen.

Bei der letzten Ratssitzung musste Bürgermeister Jürgen Ermes (SPD) auf Nachfrage einräumen, dass es „nichts Neues“ gebe. „Wir bleiben aber am Ball und versuchen alles.“ Die Resonanz habe sich stark in Grenzen gehalten, sagt Gemeindedirektor Johannes Müller. „Es haben sich keine zehn Interessenten gemeldet. Vereinzelt laufen noch Gespräche, bislang sind wir aber nicht zu einem Abschluss gekommen.“

Solange die Suche läuft, nutzen die Einwohner der Stadt einen zur Rezeptsammelstelle umfunktionierten Briefkasten am Gebäude der alten Apotheke. Betrieben wird die Rezeptsammelstelle von drei Apotheken aus der Region, die sich in Abstimmung mit der Landesapothekerkammer im Vier-Monats-Rhythmus abwechseln. Der Briefkasten wird zweimal am Tag geleert, die Kunden bekommen die Arzneimittel innerhalb von 24 Stunden geliefert.

Die Bevölkerung reagiere gespalten auf das Provisorium, so der Gemeindedirektor. „Die einen sind mit der Rezeptsammelstelle vollauf zufrieden, die anderen wünschen sich eine vollwertige Apotheke vor Ort.“ Doch dafür lässt sich bislang einfach kein Inhaber finden.

Dabei seien die Startbedingungen für einen neuen Apotheker attraktiv. „Wir haben eine gute Infrastruktur, eine Kinderkrippe, Kindergarten, Grundschule und eine Realschule. In Sögel gibt es ein Gymnasium“, beschrieb Schmidt schon im Oktober. „Börger hat ein sehr schönes Umfeld mit viel Wald. Zudem haben wir zwei Supermärkte und bieten günstiges Bauland an. Eine Wohnung wäre kurzfristig vermittelbar.“ Wer Landleben mag, ist hier richtig, es gibt gleich vier Naturschutzgebiete, einen Segelflugplatz und viel Ruhe. Was für Interessenten wichtiger sein könnte: Einen Arzt gibt es auch.

In Niedersachsen ist der Apothekenaderlass groß. Nach Angaben von Dr. Rolf Bruns, Vorstandsmitglied im Landesapothekerverband, wurden in dem Flächenland seit 2009 mehr als 100 Apotheken geschlossen. Das entspricht einer Quote von mehr als 7 Prozent. Im vergangenen Jahr gab es nach Angaben der Landesapothekerkammer 38 Schließungen und 13 Eröffnungen. Damit gab es Ende 2017 noch 1935 Apotheken, das sind 25 weniger als im Jahr zuvor. 110 Rezeptsammelstellen sollen den Mangel auffangen.

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