Apothekenübernahme

Chefin und Approbierter tauschen die Posten

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Berlin -

Dirk Buckenberger suchte lange nach „seiner" Apotheke. Tradition sollte sie haben, aber gleichzeitig auch Zukunft. In Bad Segeberg in Schleswig-Holstein wurde er fündig: Zum heutigen 1. April übernimmt er die „Alte Apotheke“.

„Seit 2010 bin ich Apotheker, seitdem habe ich gesucht“, sagt er. Er hörte sich um, wartete auf Empfehlungen, las Anzeigen, sprach mit einigen Apothekern, die der Pharmazie müde waren und einen Nachfolger suchten. Keine erquicklichen Gespräche, wenn auf der einen Seite jemand sitzt, der eigentlich keine Lust mehr hat. Und auf der anderen Seite jemand, dessen Elan ungebremst ist und der voller Pläne und Optimismus ist.

Die gemeinsame Steuerberaterin sorgte schließlich für ein Happy End. Die Besitzerin Birgit Maria Dolling der „Alten Apotheke“ suchte einen Nachfolger und sie ist gewiss niemand, der jammert. Die Apotheke befindet sich seit 1935 in Familienhand, im vergangenen Jahr feierte sie 250-jähriges Jubiläum. Eine Urkunde vom 27. April 1767, unterzeichnet vom dänischen König Christian VII., weist sie als „Königlich privilegierte Apotheke“ aus. Im Kreis Segeberg ist sie das älteste Unternehmen, was eine Urkunde der Industrie- und Handelskammer belegt.

Während andere oft jahrelang Apotheker vergeblich suchen, konnte sich Birgit Maria Dolling ihren Nachfolger aussuchen. „Es gab mehrere Bewerber“, sagt Buckenberger. Die Chemie zwischen alter Chefin und dem künftigen Chef stimmte, man hatte dieselben Vorstellungen von der Zukunft der Apotheke. Man traf ein ungewöhnliches Arrangement: Dirk Buckenberger begann im Januar 2016, in der Apotheke zu arbeiten. Und ab April wird die Besitzerin als angestellte Apothekerin tätig sein. Die Kunden sollen bekannte Gesichter sehen und keinen Schrecken bekommen, weil plötzlich jemand anderes in der Offizin steht.

„Der Wunsch nach Selbstständigkeit war bei mir immer da“, sagt Buckenberger. Er sieht die Lage der Apotheken optimistisch und zugleich realistisch. „Wir müssen etwas für die Zukunft tun. Aufgrund der veränderten Ertragslagen werden wir aber auch weiterhin Kollegen verlieren.“ Das ist die unerfreuliche Seite. Die erfreuliche ist das Schöne am Apothekerberuf, das Helfen und Beraten. Sein Ziel: „Ich möchte, dass meine Mitarbeiter am Monatsende ihr Gehalt bekommen und ich möchte meine Familie ernähren.“ Die besteht aus zwei kleinen Söhnen und einer Ehefrau, die ebenfalls Apothekerin ist und demnächst in der „Alten Apotheke“ anfängt.

Das Unternehmen steht auf soliden wirtschaftlichen Füßen, beliefert unter anderem Patienten in rund 60 Ortschaften und bietet Service, den nicht jeder hat. „Ab 1. Mai arbeitet ein Fachtherapeut für Wundversorgung für uns.“ Alle neun Mitarbeiter werden selbstverständlich übernommen. Bei all der Arbeit dürfe man eines nie vergessen: gute Laune und Humor. „Ich will gerne jeden Tag vorne stehen und für die Kunden da sein“, sagt der Apotheker. „Ohne Lächeln geht’s nicht“, sagt er, „das gilt für das Team genauso wie für die Kunden.“ Morgens gern in die Apotheke gehen, so stellt er sich das ideale Arbeitsleben vor.

Große Änderungen plant er nicht. Nur das Licht wird neu. Alles in LED. Aus Umweltgründen und weil es hilft, Geld zu sparen. „Das Schlimmste, das man machen kann, ist wenn man kommt und als ‚Neuer‘ alles umbaut. Und die Kunden das Gefühl haben, dass es nicht mehr ihre Apotheke ist“, sagt Buckenberger.

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