Schließung mit 43

„Irgendwann war mir alles zu viel“ Silvia Meixner, 14.01.2018 10:59 Uhr

Berlin - In der Offizin stehen Plastikwannen und Umzugskartons. In einem leeren Regal hält ein kleiner Deko-Engel Wache. Ein paar Stunden noch, dann wird auch er eingepackt. Alles muss raus, am 15. Januar übergibt Anja Rotman die Schlüssel an ihren Vermieter. Dann ist die Wieland-Apotheke in Berlin nach 115 Jahren Geschichte. Für viele ist das Apothekensterben nur eine Zahl – hier ist die Geschichte einer Berliner Apotheke, die gerade geschlossen wurde.

Ihre Kunden hat sie mit einem Schreiben an der Fassade informiert. Viele sehen, dass noch jemand da ist, klopfen an die geschlossene Glastür. Sie sind fassungslos. „Warum schließen Sie denn?“, fragt eine Stammkundin entsetzt. Ein älterer Herr bedauert das Ende „seiner“ Apotheke ebenfalls. Er beschwört die Apothekerin, bei der er jahrelang Stammkunde war: „Sie müssen mich unbedingt informieren, wo sie künftig arbeiten. Nicht vergessen!“

Seit Wochen nimmt Apothekerin Rotman Abschied. „Es gab viele Tränen hier.“ In fast neun Jahren hat sich die heute 43-Jährige eine treue und begeisterte Stammkundschaft aufgebaut. Berlin-Friedenau ist eine schöne Gegend: Altbauten, ältere Kundschaft, viele junge Familien, keine sozialen Brennpunkte. Heile Welt inmitten der Hauptstadt.

Rotman hat vor der Übernahme der Wieland-Apotheke im Jahr 2009 alles richtig gemacht: Standortanalyse, realistische Erwartungen, ein neues Konzept – sie spezialisierte sich angesichts der vielen Familien auf Mutter/Kind, bot zusätzlich Homöopathie an. Trotzdem hat es nicht geklappt, nach neun Jahren muss sie nun schließen. Eine für Anfang 2018 geplante Mieterhöhung gab den letzten Ausschlag, die Selbststän

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