Apothekenschließung

Die Flucht nach vorn Eugenie Ankowitsch, 14.04.2018 09:14 Uhr

Berlin - Angesichts einer schwierigen Konkurrenzsituation im baden-württembergischen Neresheim entschloss sich Apothekerin Ulla Birmelin zu einem radikalen Schritt: Ende des Monats wird sie ihre Stadt-Apotheke schließen und beim bisherigen Konkurrenten anheuern. Trotz dieser – auch emotional – für sie harten Entscheidung, ist sie überzeugt, dass in manchen Situationen man auf die Stimme der Vernunft hören sollte.

Lange Zeit war die Stadt-Apotheke, die 1811 eröffnete, die einzige Apotheke in Neresheim. 1956 kaufte der Vater von Birmelin die Apotheke. Vor 30 Jahren übernahm die heute 59-Jährige selbst das Ruder. Bereits 1971 hatte die Stadt-Apotheke mit der Marien-Apotheke einen Konkurrenten bekommen. „Schon damals war es fraglich, ob die zwei Apotheken wirklich gebraucht werden“, berichtet Birmelin. „Aber wir haben uns arrangiert und jeder hat sich über die Jahre seinen Kundenstamm aufgebaut.“

Doch vor einigen Jahren kündigte die Politik an, ein Ärztehaus im Ort bauen zu wollen. Zwar wurde laut Birmelin beiden alteingesessenen Apothekern der Standort angeboten, keiner von ihnen habe allerdings hinziehen wollen. „Sowohl ich als auch mein Kollege sitzen in eigenen Häusern“, erläutert die Apothekerin ihre Entscheidung gegen den Umzug. „Außerdem biete ich in meiner Apotheke zahlreiche Leistungen an, die schlicht eine größere Fläche erfordern. Die Apotheke im Ärztehaus war einfach zu klein dafür. Die Service-Angebote für meine Kunden wollte ich aber auch nicht streichen.“

Wider Erwartung hat sich am Ende ein ortsfremder Apotheker bereit erklärt, im Ärztehaus eine Filiale zu eröffnen. „Mit einer solchen Entwicklung hat niemand gerechnet“, erinnert sie die Apothekerin. „Neresheim hat zwar offiziell knapp 8000 Einwohner, besteht aber aus mehreren Ortschaften, die sich auf eine recht großen Fläche verteilen.“ Das vorhandene Kundenpool reiche eigentlich nur für zwei Apotheken. Auf neue Kunde könne man ebenfalls nicht hoffen. Denn zwar seien die Einwohnerzahlen seit Jahren stabil, ein Wachstum sei allerdings nicht zu erwarten.

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