Klinikmitarbeiter: Covid-19 und auf Station

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Berlin -

Die Lage in den Kliniken ist angespannt. Die Bettenanzahl reicht nicht aus, die Intensivkapazitäten müssen hochgefahren werden. Ein deutschlandweites Register informiert seit gestern online über freie Beatmungsplätze in den Kliniken. Desinfektionsmittel und Atemschutzmasken werden in großen Stückzahlen entwendet. Nachdem einige Krankenhäuser versuchen, fachausgebildete Medizinstudenten während der vorlesungsfreien Zeit als Unterstützung zu rekrutieren, gehen einzelne Kliniken weiter: Wer positiv auf Covid-19 getestet wurde und keine Symptome aufweist, soll weiterhin arbeiten gehen.

Klinikpersonal als Infektionsquelle

Dass Krankenschwestern und Pfleger häufig selbst Träger von potentiell gefährlichen Keimen sind, ist nicht unbekannt. Schätzungen zufolge sind knapp 30 Prozent aller Menschen Träger von MRSA-Keimen, darunter auch Pflegepersonal. Bei vielen kommt es aber zu keinen Symptomen. Mit der aktuellen Covid-19 Pandemie kommt ein neuer Erreger hinzu. Genau wie in den Apotheken ist es eine Frage der Zeit, bis sich auch Angestellte des Krankenhauses mit dem Keim infizieren. Aufgrund der angespannten Personalsituation ziehen einige Kliniken in Betracht, infiziertes Personal – welches symptomlos erkrankt – weiter arbeiten zu lassen. Zu groß wäre die Lücke durch einen personellen Ausfall.

Bremen informiert per Rundschreiben

Der städtische Klinikverbund Gesundheit Nord (Geno) hat an alle seine Mitarbeiter ein Schreiben geschickt, indem die Angestellten angehalten werden, auch im Falle einer Sars-CoV-2 Infektion weiterhin arbeiten zu gehen. Wer infiziert ist, solle sich mit dem Klinikhygieniker kurzschließen und das weitere Vorgehen besprechen. Wörtlich heißt es in dem Schreiben: „Ich bin selbst mit dem Corona-Virus infiziert, fühle mich aber gut. In diesem Fall kann ich grundsätzlich weiter arbeiten.“ Um die Ausbreitung des Virus zu verhindern, sollen infizierte Mitarbeiter auf FFP3-Masken umsteigen. Diese Filtermasken sind im normalen Klinikalltag selten, sie werden meist nur zur Behandlung von Tuberkulose-Patienten benötigt. Der Grundbestand der Masken ist im Krankenhaus gering. Eine Aufstockung des Bestandes ist aufgrund der momentanen Liefersituation nur begrenzt möglich.

Passender Arbeits- und Infektionsschutz fehlt

Auch in anderen Kliniken werden Hilfsmittel knapp. „FFP3-Masken haben wir kaum welche da. Irgendwann wurde die Filtereinheit schon auf FFP2 runtergestuft, da man eine Zeit lang gar keine FFP3-Masken bestellen konnte. Ob die niedrigere Klasse ausreicht, um sich vor Viren zu schützen, das weiß ich ehrlich gesagt nicht,“ berichtet eine Krankenschwester aus dem Saarland, die an ihrem Klinikum ähnliche Zustände erlebt. „Zuerst hieß es auch, dass man diese Masken nur zwei Stunden lang tragen darf, da sie dann durchfeuchtet sind. Nun kam die Anweisung, dass man sie trocknen lassen sollte“, ergänzt sie unsicher. Ähnliche Aussagen kamen auch von Angestellten der Uniklinik Köln. Die Verunsicherung innerhalb des Klinikpersonals steigt: „Man kann nur hoffen, dass es bald genügend Schutzausrüstung gibt.“ Ist eine Atemschutzmaske durchfeuchtet, so hält sie Keime nicht mehr zuverlässig zurück. Im schlimmsten Fall könnte dann die Krankenschwester, der Pfleger oder der Arzt zum sogenannten „Superspreader“ werden.

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