Rx-Versender als Wahlgewinner

Wieder vereint: Shop-Apotheke übernimmt Europa Apotheek Patrick Hollstein, 25.09.2017 09:52 Uhr

Berlin - Zurück zu Rx: Die Shop-Apotheke übernimmt die Europa Apotheek und steigt damit wieder verstärkt in den Versand von verschreibungspflichtigen Medikamenten ein. Erst im vergangenen Jahr war das OTC-Geschäft ausgegründet und an die Börse gebracht worden. Nach dem EuGH-Urteil konnte auch das Mutterhaus („Die Rezeptapotheke“) nachziehen.

Shop-Apotheke soll sämtliche Anteile an der Muttergesellschaft der Europa Apotheek im Zuge einer Sachkapitalerhöhung gegen Ausgabe neuer Aktien erwerben. Damit sichern die Altgesellschafter, deren Anteil beim Börsengang der Shop-Apotheke verwässert worden war, weitere Aktien.

Europa Apotheek beschäftigt rund 130 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2016 einen Umsatz in Höhe von 144 Millionen Euro und einen kleinen Gewinn von 200.000 Euro. Im ersten Halbjahr betrug der Umsatz 81 Millionen Euro. 80 Prozent der Erlöse stammen aus dem Verkauf von Rx-Produkten, hier hat Europa Apotheek laut eigenen Angaben einen Marktanteil von 25 Prozent und ist damit die Nummer 2 nach DocMorris. Der durchschnittliche Warenkorb liegt bei 300 Euro für Rx- und 60 Euro für OTC-Bestellungen. Der Fokus liegt auf Chronikern, 90 Prozent der Käufer sind Stammkunden, die Retourenquote bei 0,7 Prozent. Eine Million Päckchen werden pro Jahr verschickt. Mehr als 50 Prozent der Kunden sind älter als 65 Jahre, bei der Shop-Apotheke sind es weniger als 30 Prozent.

Im Vorfeld des EuGH-Urteils gab es für einen Börsengang der Europa Apotheek noch zu viele Risiken. Aus diesem Grund wurde das OTC-Geschäft ausgegründet und im September 2016 an die Börse gebracht. Seit die Richter aus Luxemburg ausländische Versandapotheken von der Preisbindung freisprachen und ein Rx-Versandverbot ausblieb, sieht man sich in Venlo offenbar auf der sicheren Seite. Noch im März hatte man ein 30-prozentiges Risiko gesehen, dass der Rx-Versand verboten würde. Der Ausgang der Bundestagswahl dürfte die Entscheidung befeuert haben: Denn damit, so das Management, sei der Entwurf von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) wegen der Diskoninuität vom Tisch. Allerdings wird eingeräumt, dass das Thema oder ein alternativer Vorschlag wieder neu auf die Tagesordnung kommen könnten, was massive Auswirkungen auf das eigene Geschäft haben könnte.

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