Kommentar

Versandapotheken: Das große Fressen Patrick Hollstein, 21.09.2017 10:59 Uhr

Berlin - Es herrscht Goldgräberstimmung. Investoren haben erkannt, dass sich mit Versandapotheken auf absehbare Zeit zwar kein Geld verdienen, aber eine Wachstumsstory erzeugen lässt. Für die deutschen Versender ist das Geschäft schwieriger geworden, seit DocMorris und Shop-Apotheke nach ihren Börsendebüts so massiv aufs Gaspedal treten. Fressen oder gefressen werden, lautet die Devise.

Seit ungefähr zwei Jahren gehen die Buchprüfer bei den Versendern ein und aus. Hedgefonds, Werbekonzerne und Strategen haben die Branche für sich entdeckt – Aponeo (Marcol), Vitalsana (Ströer) und Sanicare (Arvato) sind einige Beispiele. Selbst chinesische Investoren sollen bereits vorstellig geworden sein. Nicht zuletzt die Börsengänge von Shop-Apotheke und Zur Rose haben den Beweis geliefert, dass der Apotheken- am Finanzmarkt angekommen ist.

Der alte Grundsatz, dass sich im deutschen Apothekenmarkt kein Geschäft skalieren lässt, gilt nicht mehr. Von Holland aus ist alles möglich, wer weniger Compliance-getrieben ist, kann sich auch auf ein Modell vor Ort einlassen. Über Dienstleistungs-, Lizenz-, Marketing- und Beraterverträge lassen sich Gewinne abschöpfen, bevor sie anfallen.

Apothekerkammern und Aufsichtsbehörden haben die Waffen gestreckt. Vor dem Kapital hinter den Versandapotheken verschließt die Standesvertretung die Augen, seit das Bundesverwaltungsgericht die Klage des Magdeburger Apothekers Gert Fiedler als unzulässig abgewiesen hat. Dass kein weiterer Prozess auf einem anderen Rechtsweg angestrengt wurde, um das Fremdbesitzverbot zu verteidigen, lässt nur eine Auslegung zu: Bloß keinen Präzedenzfall schaffen. So wie bei Strohmannverträgen und anderen Konstrukten, die an den Grundfesten des deutschen Apothekenwesens rütte

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