EU-Versandapotheke

Das Bärenfell Alexander Müller, 21.09.2017 10:46 Uhr

Berlin - Der Arzneimittelversand konsolidiert sich. Investoren haben das Geschäft für sich entdeckt, klappern systematisch den Markt ab und haben apothekenrechtlich kreative Konstruktionen in der Aktentasche. In dieser Stimmung wird jede Bewegung genauestens beobachtet. Aktuell schielen alle Player darauf, wie es bei der EU-Versandapotheke weitergeht. Einige verteilen das Fell bereits, bevor der Bär erlegt ist.

Seit Ende Februar liegen Dr. Bettina Habicht und ihr Mann Sven Schumacher mit dem langjährigen Partner Phoenix im Clinch. Es geht um 5,4 Millionen Euro, die der Großhändler aus Lieferungen im Januar und Februar geltend macht. Seitens der Apothekerin gibt es Gegenforderungen in Höhe von circa 4,6 Millionen Euro. Den Großteil davon soll der langjährige Finanzchef von Habicht im Januar 2014 ohne Erlaubnis an Phoenix gezahlt haben. Die Position im Verrechnungskonto soll wegen des Rekordgewinns in jenem Jahr erst nach dem Ausscheiden des Verantwortlichen im vergangenen Dezember aufgefallen sein.

Zwar konnten sie mit neuen Lieferanten – Sanacorp, Alliance und Gehe – den Geschäftsbetrieb seit März am Laufen halten. Doch angeblich liefert die Genossenschaft seit Ende Juli nicht mehr; Alliance schickt einmal in der Nacht einen LkW, Gehe ist als Defektlieferant im Geschäft.

Gegenüber den Mitarbeitern wurde der Wechsel mit verbesserten Konditionen begründet. Da in der Zwischenzeit aber die Sicherheit von einer Millionen Euro aufgebraucht war, soll Alliance vor zwei Wochen schriftlich angekündigt haben, auf Barzahlung umzustellen. Das Thema scheint derzeit vom Tisch zu sein. Keiner der Großhändler wollte sich auf Nachfrage zu dem Thema äußern.

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