Apotheker im Kanzleramt | APOTHEKE ADHOC
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Apotheker im Kanzleramt

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Berlin -

Morgen die Wahl, dann die Regierungsbildung. Vieles spricht dafür, dass Angela Merkel (CDU) Bundeskanzlerin bleiben darf. Wenn sie es doch auch so gerne macht. Aber es gäbe schon eine echte Alternative: einen Apotheker als Bundeskanzler – oder eine Apothekerin. Denn keine andere Berufsgruppe bringt mehr Qualitäten mit, die sich in dem hohen Amt exzellent bewähren würden.

Von Frau Merkel weiß man, dass sie sehr zäh ist. Die Kanzlerin benötigt nicht viel Schlaf und kann ausdauernd verhandeln. Ein wichtiges Pfund im Politikgeschäft. Aber ganz ehrlich, wer ist geduldiger als die Apotheker? Wer hunderten von Senioren und zumeist mehrfach erklärt hat, warum sie statt ihres gewohnten Medikaments das Rabattarzneimittel erhalten, den sitzt so leicht niemand aus am Verhandlungstisch.

Und verhandlungserprobt sind die Apotheker: Sie feilschen mit den Krankenkassen um jedes Komma im Rahmenvertrag und mit der Politik um jeden Cent für den Notdienst oder die Rezeptur. Das gilt zwar überwiegend für die Standesvertreter, aber im Alltag haben die Kollegen im Grunde ähnliche Schlachten zu schlagen: Sie verhandeln mit den Kostenträgern über Genehmigungen oder Erstattungen und streiten über absurde Retaxationen. Für höhere diplomatische Aufgaben kann es keine härtere Schule geben.

Ein Kabinett zu dirigieren dürfte Apotheker – gerade Inhaber mit Filialbetrieben – ebenfalls nicht überfordern. Personalführung ist täglich Brot, Motivation auch und so mancher musste schon erhebliche innerbetriebliche Intrigen auflösen. Manchmal ist in diesen und anderen Fragen auch Verschwiegenheit gefragt – für Apotheker berufsbedingt eine Selbstverständlichkeit. In Sachen Klimapolitik, um ein aktuelles Beispiel zu nennen, ist der Apotheker mit seinem Plastiktütenbann und dem Elektrofahrrad im Botendienst sowieso ganz weit vorn – und CO2 kann er bei Bedarf selbst reduzieren.

Politik fordert mehr denn je einen professionellen Umgang mit der Presse. In Sachen Medienarbeit kann die Apothekerschaft sicherlich noch zulegen. Das richtige Mittel zwischen Zurückhaltung und Poltern in der Ansprache des politischen Gegners ist eine knifflige Sache. Die Apotheker haben zum Glück im Studium gelernt, die Dinge analytisch anzugehen. Wissenschaftliche Logik als Ansatz im Regierungshandeln bringen heute viele mit der Kanzlerin in Verbindung. Das sollte also passen.

Mal sehen, was die Wahl am Sonntag wirklich bringt. Für meinen Wahlaufruf habe ich jedenfalls das erwartet gemischte Echo erhalten. Die letzte Woche Wahlkampf hatte es noch einmal in sich. Erst hat Apotheker Reinhard Rokitta SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz in der Wahlarena knapp verpasst, doch schließlich konnte er ihm im Straßenwahlkampf doch noch die Forderungen der Apotheker in die Hand drücken. Ob es hilft, weiß man nie, der Einsatz zählt. Mutti hat immerhin ausgewählten Apothekern geschrieben.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hat unbestreitbar einen besseren Draht zu den Apothekern. Das muss umso mehr in seiner Heimatstadt Neuss gelten, wo eine Apothekerin für ihren Direktkandidaten sogar eine Kampagne unterstützt. Der EU-Parlamentarier Dr. Peter Liese (CDU) will den deutsche Apotheken keine Bestandsgarantie aussprechen – das wollten die Freiberufler auch nie. Sie wünschen sich nur faire Rahmenbedingungen und Liese wünscht sich weniger EU-Bashing. Da sollte sich ein Weg zueinander finden lassen.

Überraschend den Weg zueinander gefunden haben FDP-Kandidat Jörg Berens und Gabriele Regina Overwiening. Dass die Kammerpräsidentin von Westfalen-Lippe trotz Fremdbesitzdebatte einen Liberalen in ihre Apotheke eingeladen hat, ist dabei weniger erstaunlich. Overwiening war im Wahlkampf insgesamt sehr aktiv und hat Politikern verschiedener Couleur die Arbeit am HV-Tisch erklärt. Spannend war das Treffen mit Berens vor dem Hintergrund, das er beruflich die DocMorris-Kanäle in den sozialen Medien bespielt.

Der Bundesverband deutscher Versandapotheken (BVDVA) hat derweil acht Argumente für den Versandhandel vorgetragen. Die meisten finden zehn, aber egal. An der Versenderbasis gibt es sowieso andere Sorgen fernab der Grundsatzdebatte über den Rx-Versand: Apotal streitet weiter vor Gericht dafür, dass nicht nur PKA Päckchen packen dürfen. Und dafür, dass die Aufsicht zugibt, dass Versandapotheken in der Notfallversorgung keinen Beitrag leisten können.

Die Branche ist insgesamt in Aufruhr: Das Fell der EU-Versandapotheke wird schon verteilt, ehe der Bär erlegt ist. Investoren lauern auf eine Insolvenz. Im Versendermarkt hat unbestreitbar das große Fressen Einzug gehalten. Über DocMorris hält der GKV-Spitzenverband weiter die schützende Hand. Apotheker, die sich darüber wundern, warum die Versandapotheke ungestraft die Kassen und den Fiskus prellen kann, wird nicht einmal Akteneinsicht gewährt.

Die Apotheke vor Ort kämpft oft mit Personalmangel. Vor allem wenn dann noch eine PTA Stunden reduzieren und einen Zweitjob auf 450-Euro-Basis in einer anderen Apotheke übernehmen will. Es lohnt sich halt für sie. Und beim Wettbewerbsverbot muss man sich halt einigen. Das ist leichter, wenn die Angestellte abends in der Bar arbeiten möchte. Dann muss man nur das Arbeitszeitgesetz im Blick behalten. Und deshalb jetzt: Ab ins Wochenende. Nächster Pflichttermin: Morgen wählen gehen!

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