Apotheker drückt Schulz Fragen in die Hand | APOTHEKE ADHOC
Straßenwahlkampf

Apotheker drückt Schulz Fragen in die Hand

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Berlin -

In der ARD-Wahlarena mit SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz war Apotheker Reinhard Rokitta von der Freien Apothekerschaft mit seiner Frage zum Rx-Versandverbot nicht durchgedrungen. Auf dem Marktplatz von Bünde hatte Schulz keine Chance zu entkommen. Bei einer Wahlkampfveranstaltung drückte Rokitta Schulz eine Tasche mit seinen Fragen in die Hand. Jetzt darf man gespannt sein, ob der SPD-Vorsitzende sich endlich einmal zu diesem Thema äußert.

Bislang hat Schulz öffentlich zum Thema Rx-Versandverbot beharrlich geschwiegen. Anfragen dazu hat die SPD stets abgeblockt. Auch beim ABDA-Wahlradar-Gesundheit steht seine Antwort noch aus. Für Schulz hat die ABDA ausdrücklich eine Ausnahme gemacht. Normalerweise werden von den Wahlkreisapothekern nur die Direktkandidaten mit Fragen zur Apothekenpolitik bombardiert. Da Schulz aber nicht als Direktkandidat antritt, sondern auf Platz eins der NRW-Landesliste in den Bundestag einziehen wird, hat ein Apotheker aus seiner Heimat Würselen direkt an ihn im Willy-Brandt-Haus, der SPD-Zentrale, geschrieben.

Eine Antwort liegt noch nicht vor. In Berlin weiß man nicht, wo der Brief angekommen ist. Die Suche läuft. Ausnahmsweise ist Schulz im Wahlradar-Gesundheit dem Wahlkreis Aachen II zugeordnet neben der eigentlichen SPD-Direktkandidatin Claudia Moll. Auch Moll hat noch nicht reagiert. Im Wahlkreis Aachen I nebenan läuft es für die ABDA auch nicht besser. Ex-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt kandidiert dort erneut. Antworten der „Mutter des Versandhandels“ stehen ebenfalls aus. Auch Karl Lauterbachs Platz, einer der schärfste Kritiker des Rx-Versandverbots, ist im Wahlradar-Gesundheit noch leer.

Jetzt liegt es womöglich an Apotheker Rokitta, Schulz zum Reden zu bringen. Immerhin hält der SPD-Kanzlerkandidat seine Fragen in Händen. „Geschafft! Bünde-Tasche übergeben mit allen Fragen der Freien Apothekerschaft, die ich an Martin Schulz in der Wahlarena am Montag in Lübeck nicht stellen durfte. Das Foto ist zwar etwas unscharf, aber meine einzige Frage an ihn war klar und deutlich“, postete Rokitta auf Facebook: „Was ist am holländischen Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln SOZIAL???“

Gelegenheit für einen kurzen Meinungsaustausch gab es in Bünde nicht. „Das müssen wir klären“, habe ihm Schulz kurz bei der Übergabe der Tasche zugerufen, berichtet Rokitta. Neben seinen Fragen hat der Apotheker seinen unbeantworteten Brief vom Mai hineingepackt. Die Freie Apothekerschaft werde die Sache hartnäckig verfolgen und Antworten immer wieder einfordern“, so Rokitta. Ob das besser gelingt als in der ARD-Wahlarena, bliebt abzuwarten. Für den Bürgertreff mit SPD-Kanzlerkandidat Schulz hatte sich Rokitta vor circa fünf Wochen als Repräsentant der Freien Apothekerschaft bei der ARD über einen Internetlink zur Wahlarena angemeldet, dort seinen Namen und sein Fragethema eingetragen: das Rx-Versandverbot.

Wochenlang herrschte dann Funkstille. Vom WDR kam keine Reaktion. Plötzlich klingelte dann vergangenen Mittwoch Rokittas Mobiltelefon, da war er gerade auf dem Stand der Freien Apothekerschaft auf der Expopharm. Ob er am kommenden Montag Zeit habe, nach Lübeck in die Wahlarena zu kommen, wollte ein Redakteur wissen. Rokitta stimmte natürlich zu. Am Freitag folgte der zweite Anruf mit der Bestätigung.

Mit einem Sammelbus von Köln oder Essen hätte er mit anderen Gästen nach Lübeck fahren können. Darauf verzichtete Rokitta und reiste von Bielefeld aus allein an. Die Übernachtungskosten trägt der WDR. 150 Wahlberechtigte können dem Kandidaten in der Wahlarena unverblümt und direkt mit den Themen konfrontieren, die sie in ihrem Alltag betreffen und auf die sie Antworten fordern. Das Publikum entspricht laut ARD dabei einem Querschnitt der Bevölkerung und wird von Infratest ausgewählt. Die Fragen werden vorab nicht abgesprochen. Nur das Fragethema müssen die Gäste angeben. Zum Zuge kam Rokitta mit seiner Frage nicht. In der Sendung ging es um Bildung, Rente, Infrastruktur, Pflegeversicherung und die Schulden des Bundeshaushalts.

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