Versandhandel

EU-Versandapotheke abgeschaltet

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Berlin -

Die schlingernde EU-Versandapotheke ist derzeit nicht zu erreichen. Bereits seit gestern Abend lassen sich die verschiedenen Domains nicht mehr ansteuern. Über die Hintergründe ist bislang nichts bekannt. Die Aufsichtsbehörde bestätigte gegenüber APOTHEKE ADHOC, dass die gegen die Führung der Versandapotheke erhobenen Vorwürfe nunmehr geprüft würden.

Seit gestern Abend sind acht Internetseiten EU-Versandapotheke oder Berlinda-Versandapotheke nicht mehr zu erreichen. Zwar wird eine Wartungsseite des Anbieters Mauve angezeigt, Insidern zufolge liegt aber kein technischer Fehler vor. Vielmehr habe die Geschäftsleitung die Abschaltung bewusst initiiert, heißt es. Seit heute Morgen ist die Versandapotheke sogar aus dem DIMDI-Register verschwunden, dort waren gestern noch alle Online-Domains der Apotheke am Telering zu finden.

Die EU-Versandapotheke mit Sitz in Cottbus steckt seit Monaten in Schwierigkeiten. Kunden beschweren sich über lange Lieferzeiten oder -ausfälle, zumal das Geld meist schon eingezogen oder überwiesen wurde. Den Mitarbeitern im Servicecenter bleibt nichts anderes übrig, als immer wieder zu vertrösten. Mal ist von Schwierigkeiten mit dem Großhandel die Rede, mal von einem Wechsel in der Lieferantenkette. Den Kunden wird sogar angeboten, ihren Auftrag zu stornieren, solange keine Ware unterwegs ist.

Das zuständige Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit (LAVG) hat schon viel Geduld mit der Versandapotheke bewiesen. Bereits vor einigen Wochen war die Pharmazierätin vor Ort, um mit Inhaberin Bettina Habicht zu sprechen – und das war nicht der erste Besuch.

Doch bis jetzt hat die Aufsichtsbehörde keine Schritte unternommen. Gegenüber APOTHEKE ADHOC teilte eine Sprecherin noch am Donnerstag mit: „Das zuständige LAVG prüft derzeit die erhobenen Vorwürfe. Das Ergebnis dieser Prüfungen bleibt abzuwarten. Weitergehende Aussagen sind daher zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich.“

Es wird spekuliert, das LAVG habe Angst vor harten Maßnahmen – beziehungsweise vor dem Echo. Gegen eine Anordnung zum Ruhen der Versanderlaubnis etwa könnte Habicht klagen. Und wäre sie damit erfolgreich, würde die Behörde mit hoher Wahrscheinlichkeit mit Schadenersatzforderungen konfrontiert werden. Nicht zuletzt geht es auch um rund 50 Arbeitsplätze, die bei einer Stilllegung auf dem Spiel stünden.

Doch jetzt wurde die Behörde geradezu mit der Nase auf die Defizite gestoßen. Ein anonymer Hinweisgeber hat dem LAVG den Zugang zu einem Postfach verschafft, auf dem angeblich mehrere tausend kopierte Kundenbeschwerden gespeichert sind. Die Echtheit dieser vermeintlichen Reklamationen muss die Behörde natürlich prüfen, Anlass für nachdrückliche Rückfragen bei der Führung der EU-Versandapotheke böten sie allemal.

Und die Vorwürfe sind nicht neu, die kolportierten Probleme der Cottbuser Apotheke ziehen sich seit mehreren Monaten hin. Den Vorwurf mit den langen Lieferzeiten hätte die Behörde längst mit ein paar Testkäufen verifizieren können. Und laut Apothekengesetz müssen Versandapotheken – mit zulässigen Ausnahmen – innerhalb von zwei Arbeitstagen liefern.

Angeblich war in Cottbus zwischenzeitlich sogar das Servicecenter für mehrere Tage nicht zu erreichen. Diese Information ließ sich allerdings nachträglich nicht mehr überprüfen. Und die Verantwortlichen möchten sich öffentlich nicht mehr äußern. Aus internen Korrespondenzen geht hervor, wie ernst die Lage ist. Ein Mitarbeiter aus dem Kundenservice fragt: „Hast du das Geld?“ Antwort aus der Buchhaltung: „Ich habe nichts.“

Für die Aufsichtsbehörde ebenfalls interessant könnte der mutmaßliche Rezeptdeal der EU-Versandapotheke sein. Schon länger gibt es den Verdacht, dass die EU-Versandapotheke verschreibungspflichtige Arzneimittel über die Galenus-Apotheke von Katrin Fehlert in Cottbus abrechnet. Die Kunden unterschreiben ein Bestellformular sowie eine Genehmigung zur Datenweitergabe. Demnach organisiert die Apotheke am Telering „nur die Bestellung, Besorgung, Prüfung und Abgabe“.

Insider behaupten zudem, die Datenschutzerklärungen würden nur von etwa 10 Prozent der Rezeptkunden tatsächlich ausgefüllt. In der öffentlichen Apotheke am Telering werde diese erst gar nicht vorgelegt, was anderenfalls ja auch für Kunden tatsächlich ein merkwürdiges Licht auf die Apotheke werfen würde. Die Rezepte werden dem Insider zufolge von einem Kurier in die Galenus-Apotheke gebracht. Es soll um einen Abrechnungsbetrag von monatlich 30.000 Euro gehen. Rund ein Zehntel des Betrags soll Habicht in bar erhalten.

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