Kassen erschweren Lösung im AvP-Prozess

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Berlin - Das AvP-Insolvenzverfahren wird frühestens im kommenden Jahr zum Abschluss kommen. Vor allem der Einzug offener Forderungen gegen die Kostenträger macht Insolvenzverwalter Dr. Jan-Philipp Hoos und seinem Team viel Arbeit. Zumal die Krankenkassen laut dem zweiten Bericht des Insolvenzverwalters offenbar nicht besonders hilfreich sind.

Im September jährt sich die Pleite des Rechenzentrums, doch ein Abschluss des Verfahrens ist noch lange nicht in Sicht. Vor allem die Sichtung, Dokumentation und Zuordnung der abgerechneten Rezepte ist eine Sisyphusarbeit. Die beauftragte Firma „Aktensache“ aus Euskirchen hat allein rund 7500 Aktenordner und 400 Kartons mit Einzelmappen beim insolventen Rechenzentrum abgeholt.

Von offenen Forderungen in Höhe von 200 Millionen Euro gegenüber den Krankenkassen war man bei AvP zuletzt ausgegangen, allerdings gab es beim Rechenzentrum keine vollständige Debitorenbuchhaltung. „Verlässliche Angaben zu den aktuell noch offenen Forderungen aus Rezeptabrechnungen sind auch weiterhin nicht möglich“, schreibt Hoos. Nennenswerte Zahlungen hätten die Kassen jedenfalls bislang nicht geleistet. Sie berufen sich auf die „Gläubigerungewissheit“. Dazu kommt, dass ein erheblicher Teil der von AvP angenommenen 200 Millionen Euro von Aussonderungsrechten belastet sind.

Ein Schwerpunkt der Prüfung betrifft den sogenannten Rabattverfall. Wenn Kassen ihre Beträge zu spät an AvP ausgezahlt haben, wäre der Anspruch auf den Kassenabschlag verfallen. Mindestens seit 2013 sind diese Forderungen laut Bericht nicht an die Kassen gestellt worden. Das Potenzial wurde auf zwischen 37,2 und 137,4. Millionen Euro geschätzt. Allerdings stellte sich bei genauerer Prüfung der Zahlungseingänge heraus, dass diese häufig doch fristgerecht waren. Insidern zufolge wurde der Rabattverfall in der Bilanz des Rechenzentrums systematisch zu hoch dargestellt.

Hoos konnte beispielsweise für das Jahr 2016 nur 3,4 Millionen Euro geltend machen. Mit 67 Kassen wurde zumindest eine Einigung über die Verjährung der Ansprüche erzielt. Andere haben sich gar nicht zurückgemeldet und wurden von Hoos verklagt. Das Gesamtvolumen aus diesen Verfahren beläuft sich laut Bericht auf 200.000 Euro. Lediglich eine Kasse hat bislang überwiesen: 3232,81 Euro.

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