AvP-Pleite: Alles hängt am Kassenabschlag

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Berlin - Ein schwarzes Konto bei der Sparkasse Düsseldorf, eine chaotische Buchführung und jahrelange Verluste – das Gutachten des AvP-Insolvenzverwalters Dr. Jan-Philipp Hoos seziert die Probleme, die das private Rechenzentrum in die Knie gezwungen haben. Weil dabei der Kassenabschlag eine zentrale Rolle spielt, richtet die Hoffnung der AvP-Apotheker sich jetzt ausgerechnet auf die Krankenkassen.

AvP wurde lange Zeit von Rolf Clemens geführt, bis er im April dieses Jahres gehen musste. Er war nicht nur Geschäftsführer bei AvP, sondern auch bei der Schwesterfirma Dialog im Gesundheitswesen (DIG). Laut Hoos‘ Bericht wurde immer wieder Geld auf ein von der DIG geführtes Konto bei der Düsseldorfer Sparkasse überwiesen, das aber weder bei dieser Gesellschaft noch bei AvP in den Büchern war. Vielmehr hatte auch die Sparkasse den Verdacht, dass Clemens das Konto für private Zwecke benutzte. „Bei dem betreffenden Konto handelte es sich also offenbar um eine ‚schwarze Kasse‘“, vermerkt Hoos in seinem Bericht. Die Bank selbst hatte im August 2018 Anzeige wegen Geldwäsche gestellt, daraufhin hatte AvP im April 2019 die Staatsanwaltschaft im Haus, doch offenbar wurde Clemens zu diesem Zeitpunkt noch gedeckt.

1,8 Millionen Euro zwischen 2009 und 2018 sind nach Informationen des Insolvenzverwalters auf das Konto bei der Düsseldorfer Sparkasse geflossen. 1,6 Millionen Euro soll Clemens für „private Zwecke“ entnommen haben, bis das Konto im August 2018 aufgelöst wurde. Durch nachträglich abgeschlossene Darlehensverträge sei versucht worden, das zu vertuschen, schreibt Hoos. Zwar soll AvP-Eigentümer Mathias Wettstein im laufenden Verfahren Clemens die alleinige Schuld zugeschoben haben. Dass er aber nichts davon gewusst haben soll, widerspricht Berichten von Insidern sowie sichergestellten E-Mails. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen beide.

Die mutmaßliche Untreue ist aber nicht der eigentliche Grund für die Pleite des Rechenzentrums. Das weitaus größere Problem war die Buchhaltung. Das Gutachten spricht von „strukturellen Defiziten“ und einer „chaotischen Akten- und Datenlage“. AvP hat demnach seit Jahren defizitär gearbeitet: In den vergangenen Jahren fehlten demnach jeweils rund vier Millionen Euro – was aufgrund des Finanzpolsters lange verschleiert werden konnte. Auch der Aufbau des Krankenhausgeschäfts, bei dem das Rechenzentrum nicht in Vorleistung gehen musste, habe ausreichend Liquidität gebracht, so Hoos.

Dabei hätte es das Unternehmen laut Gutachten selbst in der Hand gehabt, die eigene Ertragslage zu verbessern. Denn offenbar wurden mindestens seit 2013, vielleicht sogar schon seit 2009, keine Kassenabschläge („Rabattverfall“) mehr in Rechnung gestellt, wenn Kassen die Forderungen aus der Abrechnung nicht innerhalb der vorgegebenen Frist von zehn Tagen beglichen. „Möglicherweise war es dem Unternehmen mit seiner unzureichenden Buchhaltung schlicht nicht möglich, die Ansprüche ordentlich aufzuarbeiten.“

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