Wettstein soll 8,8 Millionen Euro hinterzogen haben

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Berlin - Der ehemalige AvP-Chef Mathias Wettstein muss sich wegen mutmaßlicher Steuerhinterziehung in Millionenhöhe vor dem Landgericht Düsseldorf (LG) verantworten. Das Verfahren beginnt am Vormittag. Mit den anderen Vorwürfen gegen Wettstein im Umfeld der AvP-Insolvenz hat das Verfahren nichts zu tun, hier wird weiter ermittelt.

Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf war sich schnell sicher, dass genug „Fleisch an den Knochen“ ist, um in diesem Fall Anklage zu erheben. Bei AvP soll es über Jahre verdeckte Gewinnausschüttungen in Höhe von rund 35 Millionen Euro gegeben haben. Entsprechend wird Wettstein eine Steuerhinterziehung von 8,8 Millionen Euro zur Last gelegt. Im Fall einer Verurteilung könnte ihm eine langjährige Freiheitsstrafe drohen.

Wettstein sitzt seit Mai in Untersuchungshaft. Anlass waren insbesondere die erheblichen Vorwürfe in der Steuersache. Aufgrund der Beweislage hat die Staatsanwaltschaft entschieden, diesen Teil abzutrennen und separat zur Anklage zu bringen.

Wenn sich Wettstein heute vor Gericht zu den Vorwürfen einlässt, könnte das Verfahren relativ schnell über die Bühne gehen. Der ehemalige AvP-Chef könnte bei dieser Gelegenheit auch Aufklärungshilfe im Rahmen der weiteren Vorwürfe im Rahmen der AvP-Pleite leisten, mit denen er abseits des Steuerverfahrens konfrontiert ist. Das wiederum könnte sich günstig auf ein etwaiges Strafmaß in dieser Angelegenheit auswirken.

Das privat geführte Rechenzentrum war im September vergangenen Jahres in die Insolvenz gerauscht. Schnell kam der Verdacht auf, dass es sich nicht nur um wirtschaftliches Missmanagement handelte, sondern auch kriminelle Energie im Spiel war. Nach einem ersten Kassensturz des Insolvenzverwalters Dr. Jan-Philipp Hoos war klar, dass ein dreistelliger Millionenbetrag fehlt, den betroffenen Apothekern drohen hohe Verluste.

Die Schwerpunktabteilung für Wirtschaftsstrafsachen der Staatsanwaltschaft Düsseldorf hatte im Januar bekannt gegeben, dass gegen insgesamt fünf Beschuldigte aus der Führungsebene der Unternehmensgruppe sowie Mitarbeiter ermittelt wird, Wettstein ist einer von ihnen. Es geht es um den Verdacht der Insolvenzverschleppung und Bankrott, Bilanz- und Urkundenfälschung, Betrug sowie Untreue. Einem Sprecher der Staatsanwaltschaft zufolge laufen diese Ermittlungen weiter, an dem Sachstand habe sich nichts verändert.

Die Ermittlungen gehen zurück auf eine Strafanzeige der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), die im September 2020 eingegangen war. Laut Staatsanwaltschaft besteht der Verdacht, dass bei AvP „Erträge verbucht worden sind, die es tatsächlich nicht gegeben hat, die wirtschaftliche Lage des Unternehmens auf dem Markt besser dargestellt wurde als sie tatsächlich war, der Insolvenzantrag nicht rechtzeitig gestellt worden ist, sachfremde Verfügungen während der bereits eingetretenen Insolvenz vorgenommen worden sind sowie sachfremde Entnahmen von Firmenkonten zugunsten einzelner Beschuldigter vorgenommen wurden“.

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