Interview Holger Schmidt (Focus)

„Amazon muss den Schalter nur umlegen“ Patrick Hollstein, 03.03.2017 10:23 Uhr

Berlin - Im Alltag am HV-Tisch klingt die viel beschworene „Digitalisierung des Gesundheitswesens“ für viele noch weit entfernt. Doch der Prozess ist nicht nur unaufhaltsam, er ist auch alles andere als schleichend. Dr. Holger Schmidt, Netzökonom und Focus-Chefkorrespondent, erklärt, warum sich Apotheken auf die Digitalisierung einlassen müssen und wie sie künftig Amazon begegnen. Bei VISION.A, der Digitalkonferenz von APOTHEKE ADHOC mit Unterstützung der Apotheken Umschau, spricht er darüber, was Disruption für Patienten und Apotheker bedeutet.

ADHOC: Noch drei Wochen bis zur Digitalkonferenz VISION.A, was macht Ihr Vortrag?
SCHMIDT: Ich muss zugeben, dass es nicht so einfach ist wie gedacht. Sie haben so vielen Regularien in Ihrer Branche, dass viele Ideen schon im Keim erstickt werden. Ich würde sagen, dass nur die öffentliche Verwaltung langsamer ist. ADHOC: Der Gesundheitsmarkt funktioniert nun einmal nach anderen Regeln.
SCHMIDT: Mag sein. Aber wenn der Arztbesuch heute genauso abläuft wie vor 30 Jahren und noch jede Menge Faxe verschickt werden, spricht das nicht für Effizienz und Nutzerfreundlichkeit. Und so etwas ist immer gefährlich. ADHOC: Gefährlich?
SCHMIDT: Die Frage ist aber nicht, ob sich der Gesundheitsmarkt digitalisiert. Die Frage ist, ob sich die Gesundheitsbranche selbst digitalisiert oder ob sie das Feld den Digitalunternehmen überlässt. Dann läuft sie Gefahr, nicht mehr mitbestimmen können, sondern bestenfalls mitspielen zu dürfen. Ich kann verstehen, dass Ärzte und Apotheker ihren Markt verteidigen. Aber wenn man sich einbetoniert, schafft das Raum für Branchenfremde. Google arbeitet unter Hochdruck an Lösungen für den Gesundheitsbereich – und wird es im Zweifelsfall besser machen.

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