Kommentar

Amazon hat keine Partner Patrick Hollstein, 11.05.2017 11:43 Uhr

Berlin - Die Amazon-Apotheke ist da. Genauso wie der Amazon-Biomarkt, die Amazon-Drogerie oder die Amazon-Bäckerei. Alles, was sich irgendwie bewegen lässt, wird nach Hause gebracht – von Händlern, die Profit für Umsatz opfern, und durch Fahrer, die von Ökonomen als neue Armutsschicht bezeichnet werden. Die Plattform-Ökonomie überrollt die wirtschaftliche Realität.

Hand auf‘s Herz: Bestellen Sie gelegentlich bei Amazon? Wenn ja, dann sind Sie einer von 44 Millionen deutschen Stammkunden des US-Konzerns. Vielleicht gehören Sie ja sogar zu jenen 17 Millionen Menschen, die hierzulande Mitglied bei „Prime“ sind – sich also mehr oder weniger fest an Amazon gebunden haben. Und nun ärgern Sie sich als Apotheker, dass der Gigant plötzlich in Ihrem Terrain wildert?!

Das Internet hat uns alle freier und selbstständiger gemacht, vieles unkomplizierter und schneller. Aber es hat uns auch – und dieses Phänomen beschleunigt sich – abhängiger von Internetriesen gemacht. Plattformen sind die neuen virtuellen Innenstädte – im Namen des Nutzers gehen ganze Branchen reihenweise in die Knie. Versandhändler kämpfen um die Gunst von Google, Verlage gegen die ruinösen Provisionen von Apple. Hoteliers haben es mit den billigen Betten von Airbnb zu tun, Taxizentralen mit den privaten Fahrern von Uber. Selbst Handwerker und Putzkräfte werden heutzutage nicht mehr empfohlen, sondern von Portalen vermittelt. Weil es bequemer ist. Und meistens auch nicht teurer.

Denn den Aufwand – also die Kosten – für die Suche übernimmt die Plattform. Und diese kann sie einfach an die Anbieter weiterreichen. Je gefestigter das Monopol, desto härter die Konditionen. Mit seinen Sozialbeiträgen steht man als „Partner“ der Plattformen sowieso alleine da. Die Bequemlichkeit der Menschen ist ein immenses Pfand. Das war schon immer so, der Plattform-Kapitalismus ist nur die digitale Version davon.

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