„Nachts träume ich schon von 0,3 Millilitern“

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Berlin - Es geht in großen Schritten los mit der Covid-19-Impfkampagne – oder nicht? Die Liste der Kritikpunkte ist lang, sie reicht von langsamer Geschwindigkeit über Impfstoffengpässe bis zu den Schwierigkeiten, vor Ort einen Termin zu bekommen. Apotheker Christian Flössner beurteilt das aus erster Hand, denn er ist Teil des pharmazeutischen Personals in den sächsischen Impfteams – und er fordert die Kollegen auf, sich nicht auf Kritik zu versteifen, sondern lieber mit anzupacken, damit es schneller geht.

„Ich verstehe die Aufregung im Moment gar nicht“, sagt Flössner, der in Dresden die Saxonia-Apotheke betreibt und bereits seit Wochen in Organisation und Durchführung der Impfkampagne im Freistaat involviert ist. „Ich finde den Impfstart nicht langsam.“ Einen Vergleich mit Ländern wie Israel halte er schon wegen der unterschiedlichen Ausgangsbedingungen nicht für zielführend, sagt er. „Das ist ein viel kleineres Land mit anderen rechtlichen Rahmenbedingungen, da lässt sich so etwas viel schneller organisieren. Aber im europäischen Vergleich hängen wir nicht wirklich hinterher.“

Natürlich könnte es ein bisschen schneller gehen, so Flössner, „aber dazu brauchen wir eben auch den nötigen Impfstoff.“ Ob EU-Kommission oder Bundesregierung dabei grobe Fehler gemacht haben, wolle er nicht beurteilen. „Das sind sehr komplexe Prozesse mit vielen Unbekannten, und ich werde mich da nicht an Stammtischdiskussionen beteiligen“, sagt er. Die andere große Baustelle sei derzeit die Terminvergabe in den 13 sächsischen Impfzentren über Onlineportale. Auch da ruckelt es noch – auch das sei aber nicht ungewöhnlich. „Jetzt haben wir das Problem, dass alle aus der Gruppe der höchsten Priorität gleichzeitig auf den Knopf drücken, natürlich führt das zu Überlastungen – aber das wird sich schon in den nächsten paar Tagen spürbar verbessern.“

Dass die Impfzentren nicht ausgelastet seien, könne man nur kritisieren, wenn man einen zentralen Sachverhalt nicht berücksichtigt, sagt er: „Die Impfzentren fahren gerade nur auf halber Last, weil jeder Impfling nach drei Wochen einen neuen Termin erhält. Wenn man die jetzt voll auslasten würde, könnte das in ein paar Wochen niemand mehr stemmen.“ Auf die Organisation und die Arbeit in den Impfzentren und -teams will er aber nichts kommen lassen. Und das könne er sehr gut beurteilen, weil er selbst im Durchschnitt an drei Tagen pro Woche dort mitarbeitet.

Flössner hat sich die Zeit dafür genommen, weil sein eigener Betrieb von der Pandemie getroffen wurde – die Saxonia-Apotheke liegt an einer Einkaufspassage. „Wir haben durch den Lockdown eine niedrigere Kundenfrequenz und entsprechend weniger zu tun, da nutze ich die freigewordenen Kapazitäten, um mich einzubringen.“ Flössner ist seit Jahren beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) engagiert, das in Sachsen am Betrieb der Impfzentren beteiligt ist, und hat dementsprechend einen kurzen Draht. „Da kommt ein Anruf und los geht’s.“

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