Comirnaty: Apotheker erklärt Stolpersteine | APOTHEKE ADHOC
Erfahrungsbericht zur Rekonstitution

Comirnaty: Apotheker erklärt Stolpersteine

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Berlin -

Michael Gabel ist als Apotheker in einem bayerischen Impfzentrum. Dort konnte er erste Erfahrungen mit dem Impfstoff Comirnaty sammeln. Um optimal vorbereitet zu sein, hat er sich viel Wissen angeeignet. Dieses Wissen möchte er jetzt gerne an alle Kollegen weitergeben, die in den Impfzentren für die Aufbereitung des mRNA-Impfstoffes zuständig sind.

„Es ist wichtig, dass wir uns alle austauschen“, so Gabel. Der Apotheker ist überzeugt davon, dass man durch das Wissen aller beteiligten Personen profitieren kann. „Was gut ist, kann so noch besser werden. Apotheker können vom Wissen der Ärzte profitieren und auch andersherum.“ Sein pharmazeutisches Wissen stellt Gabel bereits seit einiger Zeit in den sozialen Medien zu Verfügung. Unter dem Pseudonym „Herr.Apotheker“ hat er bei Instagram auch schon zahlreiche Fragen und Fakten zum Biontech-Impfstoff bearbeitet. Gerade bei der Aufbereitung des Impfstoffes sieht der Apotheker einige Herausforderungen.

„Ich habe diese Woche einige Impfdosen rekonstituiert. Dabei sind mir einige Stolpersteine aufgefallen“, berichtet der Apotheker. Für ihn ergeben sich zwei Problemfelder: Zum einen muss die geringe Stabilität des Impfstoffes beachtet werden, zum anderen muss eine aseptische Arbeitsweise bei der Herstellung – soweit es geht – gewahrt werden. Ein mRNA-Impfstoff sei nicht ohne Weiteres vergleichbar mit anderen Vakzinen.

„Comirnaty ist nicht konserviert. Das bedeutet, dass ich beim Auseinzeln aus einem unkonservierten Mehrdosenbehältnis sehr sauber arbeiten muss“, so Gabel. Nicht alle Apotheker, PTA und MFA können routiniert aseptisch arbeiten. Umso wichtiger sei eine umfassende Schulung und Raum für Diskussion. „Um eine hochwertige Qualität in die Impfspritze zu bekommen, sind keimarme Arbeitsplatzbedingungen, Schutzkleidung des Personals und das richtige Herstellungsregime sehr wichtig“, heißt es in Gabels Beitrag zum Thema Impfstoffaufbereitung. Auch das Video der Apothekerkammern Nordrhein und Westfalen-Lippe lobt er: „Eine schriftliche Anweisung reicht nicht in jedem Fall aus, um alles zu verstehen. Oftmals sind Bilder da besser geeignet.“

Gabel geht als Gedankenspiel auch die Folgen der Missachtung einer aseptischen Arbeitsweise durch: „Verschleppen von Keimen, Infektion an der Einstichstelle? Blutvergiftung? Klar, das Risiko ist gering, aber es ist vorhanden“, heißt es in seinem Text. Auch geringe Risiken sollten nicht missachtet werden. Jede Spritze sollte mit gleichbleibender Qualität nach einheitlicher Anweisung hergestellt werden. Gabel möchte keiner Berufsgruppe die Fähigkeit absprechen, den Impfstoff keimfrei aufzuziehen, er möchte lediglich den Blickwinkel eines Apothekers miteinfließen lassen: „Als Pharmazeut besitzt man eine andere Sichtweise. Das Studium trimmt durch die vielen Laborzeiten auf eine saubere Arbeitsweise und die professionelle Umsetzung von Herstellungsanweisungen. Als Pharmazeut sieht man eben nicht nur das Zusammenmischen des Impfstoffes, sondern auch die Hintergründe hinter der Herstellung.“

„Man studiert eine Fachinformation und die richtige Herstellung, bevor man loslegt“, heißt es in Gabels Beitrag. Dazu gehört auch, dass man sich mit dem Wirkstoff an sich auseinandersetzt. Gabel weiß um die Stabilität des Impfstoffes. „Wir impfen einen sehr sensiblen neuartigen Impfstoff mit mRNA. Die mRNA kann natürlich nur wirken, wenn sie intakt in dem Geimpften ankommt. DNA, die deutlich stabiler ist, lässt sich durch mehrmaliges Auf- und Abbewegen in einer Spritze mit kleinlumiger Nadel bereits zerstören. RNA ist deutlich labiler.“

Stabilitäts-Stolpersteine

Der Biontech-Impfstoff wird ultra-tiefgekühlt gelagert. Bei Temperaturen von -70 bis -80 Grad Celsius ist er am stabilsten. Hier kann die mRNA auch bei Transport nicht beschädigt werden. „Allein das Schütteln des verdünnten Impfstoffs bei der Fahrt im Auto kann bereits ausreichen, um Schäden an der mRNA zu hinterlassen“, informiert der Apotheker. „Dies bedeutet, dass die chemische/physikalische Stabilität eine Schwierigkeit in der Handhabung darstellt.“ Auf diese Schwierigkeiten möchte Gabel ausreichend hinweisen.

Wichtig sei, das Wissen von Pharmazeuten und Medizinern zu vereinen: „Beide Berufsgruppen haben hohe Fachkompetenz auf ihrem Gebiet. Ich möchte mit dem Beitrag darauf aufmerksam machen, was Apotheker und PTA alles können. Apotheker zu sein heißt mehr, als nur öffentliche Apotheke. Wir Pharmazeuten arbeiten in Kliniken, der Industrie oder Forschungseinrichtungen. Häufig agiert der Berufsstand aus dem Hintergrund heraus, doch beim Thema impfen sollten wir mit unserer Fachkompetenz ganz vorne mit dabei sein.“ Gabels Beitrag soll allen zukünftigen Mitarbeitern der Impfzentren als Hilfestellung dienen.

 

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