Vorbereitungen im Reinraum

Comirnaty: Klinikapotheke unterstützt Impfteams

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Berlin -

Jedes Impfzentrum geht anders mit der Aufbereitung des Impfstoffes um. In einigen Regionen sind PTA in den mobilen Impfteams damit beauftragt, den mRNA-Impfstoff unter weitestgehend aseptischen Arbeitsweisen auszueinzeln. In anderen Regionen wie dem Landkreis Kassel wurde sogar eine Rezepturwerkbank in ein umfunktioniertes Feuerwehrauto eingebaut. Auch in Freiburg werden Pharmazeuten bei der Rekonstitution einbezogen: An der Uniklinik werden Kochsalzspritzen zu je 1,8 ml unter der Werkbank befüllt und steril verpackt.

Kurz nach Weihnachten ging es vielerorts mit den Impfungen los. So auch in Freiburg. Hier werden Apotheker und PTA eng mit in die Aufbereitung des Impfstoffes einbezogen, berichtet Professor Dr. Martin Hug, Apotheker und Direktor der Klinikapotheke des Universitätsklinikums Freiburgs. „Unsere Klinikapotheke nimmt bei der Vorbereitung der Impfdosen eine ganz zentrale Rolle ein. In Freiburg haben wir am 27. Dezember begonnen, in unserem zentralen Impfzentrum entsprechend der Priorisierungsliste der Stiko vorzugehen.“

Es gibt viel zu tun. So seien jeden Tag mehrere Menschen mit den Prozessen rund um die Impfung beschäftigt. „Seit dem 26. Dezember verbringe ich eigentlich jeden freien Tag – Wochenenden und Feiertage – sowie einen Teil meiner täglichen Arbeitszeit im Impfzentrum. Dort haben wir neben meiner Person immer einen Apotheker/in als Schichtleiter/in sowie ein Team von pharmazeutischem Personal und Studenten im Einsatz.“ Um noch mehr Personal für die anfallenden Tätigkeiten zu haben, verzichteten zwei Angestellte sogar auf freie Tage: „Zwei meiner Mitarbeiterinnen aus der Apotheke haben ihren Urlaub geopfert, um den Prozess zu unterstützen, und sind mit großer Begeisterung dabei.“

Neue Möglichkeiten erproben

„Um die Aufbereitung des Impfstoffes sicher und hygienisch zu gestalten, bereiten wir in unserer Krankenhausapotheke unter aseptischen Bedingungen Fertigspritzen mit 1,8 ml Kochsalzlösung vor, die auch die Arbeit der mobilen Impfteams ungemein erleichtern“, erklärt Hug. Die mobilen Teams müssen mit weit weniger Ausstattung zurechtkommen als die Apotheker und PTA in der Klinikapotheke. In den Heimeinsätzen gibt es laut Hug keine Werkbank, keine wirklich keimarmen Bedingungen. Jeder Arbeitsschritt, der hier durch gute Vorarbeit eingespart werden kann, erhöht die Qualität des Produktes. „Bei diesen Teams sehe ich übrigens auch Wachstumspotential und steigenden Bedarf an pharmazeutischem Personal. Eine Mitarbeiterin der Apotheke fährt regelmäßig mit und übernimmt dort die Zubereitung, also die Verdünnung und das Aufziehen der 0,3 ml auf einzelne Spritzen.“

Darüber hinaus kümmere sich diese Person auch um den Materialbedarf, so dass vor Ort stets ausreichend Spritzen, Kanülen und natürlich genug Impfdosen vorhanden sind. Hug erzählt, dass das Klinikpersonal der höchsten Priorität am zentralen Impfzentrum der Stadt geimpft wird. Ansonsten wird die vorgegebene Impfreihenfolge strikt eingehalten. Da aktuell keine Stationsbegehungen stattfinden, hätten die Mitarbeiter der Klinikapotheke keinen direkten Patientenkontakt. „Wir respektieren die Vorgaben hinsichtlich der Priorisierung und lassen deshalb den Bereichen, die direkten Patientenkontakt haben, den Vortritt.“

Im Klinikum selbst finden keine Impfaktionen statt. „Aufgrund der technischen und logistischen Herausforderungen halte ich das zum gegebenen Zeitpunkt auch nicht für sinnvoll“, so der Apotheker. Die Aufbereitung des Impfstoffes sei mit einem erhöhten Aufwand verbunden. Je nachdem, unter welchen Bedingungen der Impfstoff aufbereitet wurde, ergibt sich eine unterschiedlich lange Verwendbarkeitsfrist. „Der Impfstoff ist nach dem Auftauen nur begrenzt lagerfähig und darf nach der Verdünnung nicht mehr transportiert werden.“

Die Vorgehensweise des Universitätsklinikums zeigt, dass pharmazeutische Expertise auch bei der Aufbereitung der sehr sensiblen mRNA-Impfstoffe wertvoll ist. Durch die Aliquotierung der sterilen Kochsalzlösung sinkt das Risiko einer Keimverschleppung bei einer Aufbereitung im Heim. Durch die vorgefüllten NaCl-Spritzen muss das Personal vor Ort nur noch eine Kanüle konnektieren und die Lösung in das Vial einspritzen. Ansonsten müsste die Kochsalzlösung jedes Mal aus einem Mini-Plasco entnommen werden. Nach dem Abdrehen der Verschlusskappe muss die unkonservierte Lösung direkt weiterverarbeitet werden. Der Überschuss ist zu verwerfen, auch wenn die Restmenge zur Rekonstitution weiterer Durchstechflaschen ausreichen würde.

 

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