Impf-Einsatz: Ein Apotheker zieht Bilanz

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Berlin - Seit Wochen sind Apotheker*innen und PTA unermüdlich im Einsatz, um die Bevölkerung mit dem Corona-Impfstoff versorgen zu können. Der Aufwand und die Organisation stehen dabei allerdings in keinem Verhältnis zur Wertschätzung oder gar Entschädigung. Apotheker Dr. Simon Krivec aus Moers berichtet von seinen Erfahrungen an der „Corona-Front“.

Bereits seit sechs Wochen ist das Team der Adler-Apotheke in Moers täglich im Impf-Einsatz – auch am vergangenen Mittwoch. Der Ablauf an diesem Tag – „nur die Spitze des Eisberges“, meint Krivec. Spontanität sei jeden Tag gefragt. In drei Altenheimen im Kreis war das Apotheken-Team im Einsatz, zusätzlich wurden sie im Impfzentrum Wesel dringend benötigt. Insgesamt waren vier Apotheker*innen und vier PTA an der Aktion beteiligt.

Für die erste PTA beginnt der Einsatz um 8:30 Uhr im ersten Heim, welches rund 15 km entfernt in Kamp-Lintfort auf sie wartet. Ohne Pause geht es im Anschluss zurück nach Moers. Dort werden, gemeinsam mit einer weiteren PTA, sowie einer Apothekerin und Krivec selbst, weitere Impfstoffdosen aufbereitet. „Zwischen 11.30 und 14.30 Uhr wurden knapp 300 Impfdosen hergestellt“, berichtet der Apotheker. Parallel dazu sind eine weitere PTA und eine Apothekerin in ein drittes Heim gefahren, um bis 14 Uhr zu helfen. Zwei weitere Mitarbeiter der Apotheke nehmen mittags eine Strecke von mehr als 40 km nach Wesel auf sich, um bis abends weitere Biontech-Impfdosen aufzubereiten. „Vor 21 Uhr waren die beiden nicht zurück in Moers“, meint Krivec.

Seit Dienstag ist vom Land NRW die Entnahme einer siebten Impfdosis pro Vial offiziell erlaubt. „Vor drei Tagen hieß es noch von der KV, die Entnahme sei verboten“, erklärt Krivec. „Den Auftrag – wo möglich – sieben Impfdosen zu entnehmen, haben meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seit dem ersten Tag unseres Einsatzes“, gibt er zu. „Möglichen Impfstoff bei bekannter Knappheit vorsätzlich zu vernichten, kann ich mit meinem Berufsethos nicht vereinbaren – Anordnung hin oder her.“ Hier sei pragmatisches Vorgehen gefragt. „Plötzlich ist alles anders und wir alle rehabilitiert. Das Ganze verstehen? Muss ich nicht!“, kritisiert der Apotheker.

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