ApoRetrO – der satirische Wochenrückblick

Die Quittung

, Uhr
Berlin -

Hat die Versandapotheke eben mal einen Fehler gemacht. Das kommt vor. Fehler passieren überall. Wie man damit umgeht, ist entscheidend. Rücken gerade machen, sich entschuldigen und eine Lösung anbieten. Wenn der gute Wille geradewegs in die Katastrophe führt.

Gudrun B. (64) ist ziemlich online-affin. Sie chattet mit ihrem Enkel und postet die Fotos ihrer Ostsee-Radtour auf Insta. Nur shoppen geht sie lieber analog – eigentlich. Wegen Corona hat ihre Tochter ihr eine Versandapotheke empfohlen. Der Bonus ist ja auch ganz nett, aber das bestellte Medikament wäre Gudrun noch lieber gewesen. Sie vergibt einen Stern und schreibt eine Beschwerde-Mail.

Das wiederum will Helena Sommer, ihres Zeichens Chefapothekerin bei der Versandapotheke, nicht auf sich sitzen lassen. Sie schreibt eine Entschuldigungsmail an Gudrun. Dumm nur, dass sich Kundin 06579165 damit einen Virus auf die Festplatte zieht und ihr MacBook abraucht (Abbildung oben rechts).

Versandchefin Helena ist außer sich, als sie davon erfährt. Sie holt das bestellte Arzneimittel höchstpersönlich aus dem Hochregallager und macht sich auf den Weg. Von einem piefigen Plattform-Botendienst will sie sich nicht ausstechen lassen. Nur fährt sie bei Gudrun ein bisschen übereifrig vor, kann nicht mehr bremsen, doppelter Totalschaden (Abbildung oben links). Egal, Hauptsache das Schilddrüsenmedikament ist bei der Patientin.

Aber Gudrun B. runzelt die Stirn. Einerseits macht sie sich Sorgen um ihre derangierte Botin, kennt aber anders als diese offenbar die Gesetze der Aut-idem-Liste: L-Thyroxin darf man nicht so freihändig ins Regal greifen. Helenas rechtes Auge zuckt, als sie die Packung wieder an sich nimmt und grummelnd abzieht. „Ich werde liefern, ich werde liefern.“

Das richtige Präparat ist zwar nicht an Lager, aber die notdienstschiebende Apotheke im Nachbarort ist glücklicherweise gut sortiert. Euphorisch fährt Helena zu ihrer Kundin, trifft diese aber zu Hause nicht an, mittwochsabends trifft sich Gudrun zur Fortnite-Session bei Ruth. Ist L-Thyroxin kühlpflichtig? Helena ist unsicher, will aber nichts mehr falsch machen: Sie besorgt eine Kühlbox mit Akku und liefert aus – ist ja ein Privatgrundstück. Ende vom Lied: Kurzschluss in der Kühlbox, Großbrand (Abbildung unten links) und Gudrun (Abbildung unten rechts) hackt sich in die Bewertung, um 0 Sterne vergeben zu können.

Ein Körnchen Wahrheit auch in dieser ApoRetrO-Legende: Die Shop-Apotheke hat nicht nur eine Lieferung spektakulär scheitern lassen, sondern danach auch noch die angeblich nicht zuzuordnende Kundin persönlich behelligt. Nur ihr Arzneimittel, das hat die Kundin nicht erhalten.

Dem größten Mitbewerber der Shop-Apotheke erging es nicht viel besser: Bei einem Intensivtest der DocMorris-Seite gab es recht viel zu bemängeln, vor allem die feigenblättrige Online-Beratung. Wenn die Apotheken sich gescheit anstellen, brauchen sie vor der Einführung des E-Rezepts keine Angst zu haben.

Darum ging es natürlich auch in der ersten Woche VISION.A, digitalkonferenziger als jemals zuvor. Für die Gematik sprach Hannes Neumann. Andreas Arntzen, Dr. Sven Simons und David Meinertz diskutierten über Zoom und Ralf König wagte den Blick in andere Länder, bevor er sein Grußwort zu den Awards übermittelte. Digitale Einsamkeit im Smoking, trotzdem ein sehr festlicher Abend. Und am Montag kommt es zur Battle der Plattformen!

 

Einen Kampf mit sich selbst führt die Apobank. Die verunglückte IT-Umstellung zieht immer weiter Kreise. Jetzt spricht Phoenix die Apotheken an und holt sich eine Skonto-Einforderungsvollmacht und ein Kunde will sogar klagen. Nur die Apobank spricht noch immer nicht. Sie hat sich super-eivernehmlich von einem Vorstand getrennt, als ob irgendein Anteile-haltender Apotheker ohne funktionierende Lastschriftmandate diese PR-Mähr von der strategischen Ausrichtung glauben könnte. Man muss sich sorgen um diese Genossenschaft in diesem Zustand.

Bevor Sie mit VISION.A digital in die nächste Woche starten, noch ein kurzes Update: DocMorris dockt beim E-Rezept-Projekt der TK an und mit eRixa empfängt jetzt der erste Hollandversender deutsche E-Rezepte. Und Schlachter Tönnies bekommt unverdient Hilfe von einer Pop-up-Apotheke. So sind die Apotheker: pragmatisch, vorurteilsfrei, hilfsbereit. Danke und schönes Wochenende!

 

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