ApoRetrO – der satirische Wochenrückblick

Nachfolger für Müller – die Kandidaten

, Uhr
Berlin -

Max Müller verlässt DocMorris, mit dem Strategievorstand verliert die Versandapotheke ihr bekanntestes Gesicht. Wer soll künftig für die Niederländer in Berlin/Brüssel lobbyieren und netzwerken? Mögliche Kandidaten im ApoRetrO-Schnellcheck.

Jürgen Klopp: Der Liebling
Meistertrainer, eloquenter Motivator und TV-erfahren. Überfallartiger Tempofußball mit hoher Qualität ist genau das, was der Versandhandel jetzt braucht. Nachteil: Ist manchmal zu cholerisch, das ist auf dem Posten hinderlich.

Jens Spahn: Der Etablierte
Kennt sich in der Branche aus und ist bestens vernetzt. Stallgeruch hat noch nie geschadet. Nachteil: Man müsste ihn künftig für seine Arbeit bezahlen.

Jeff Bezos: Der Geheimtipp
Bislang wenig bekannt in der Versandszene, gilt Jeff Bezos vielen trotzdem als Königslösung. Der aufstrebende Manager hat beim Mittelständler Amazon bewiesen, dass er etablierte Märkte angreifen kann. Kommt das Boni-Verbot doch, wäre der Multimilliardär finanziell unabhängig. Der Haken: Offenbar lange Kündigungsfrist bei seinem derzeitigen Arbeitgeber.

Benedikt Bühler: Der Erlöser
Hat bewiesen, dass er die Massen hinter sich vereinen kann. Ihm würde man zutrauen, die Apotheker mit dem Versender zu versöhnen. Und er hätte sicher innovative Rezepte für das Geschäftsmodell.

Dr. Evil: Der Visionär
Auf dem Weg zur führenden Versandapotheke weltweit sicher der ambitionierteste Kandidat. Das könnte auch genau das Problem an der Personalie werden. Er duldet allenfalls eine Nummer 2 neben sich. Trotzdem: Falls zu haben, könnte er DocMorris sofort helfen.

Max Müller: Der Polterer
Der Rücktritt vom Rücktritt. Könnte man als erfolgreiches Comeback verkaufen. So wie bei Jupp Heynckes oder Modern Talking. Und Bayer auf Vertragsauflösung verklagen, das merken die vermutlich gar nicht. Als alternative Lösung 4a stünde noch Maximilian Müller, Matratzenfachhandelsangestellter aus Stuckenborstel, zur Verfügung, der zumindest die Visitenkarten auftragen könnte.

Ob DocMorris wirklich schon einen Nachfolger für Max Müller sucht (oder gar schon gefunden hat), wissen wir nicht. Bis April ist der Strategiechef ja auch noch an Bord. Nächste Station für ihn ist der Pharmakonzern Bayer. Damit bleibt diese schillernde Figur der Branche zumindest erhalten. Die merkwürdig kühle Verabschiedung wirft trotzdem Fragen auf, ganz DocMorris-grün ist man sich offenbar nicht mehr gewesen. Dasselbe gilt für Großaktionärin Vanessa Frey, die denn gestiegenen Börsenkurs genutzt und ihr Paket verkauft hat.

Inhaltlich stehen bei der Versandapotheke sehr spannende Tage an. Die Einführung des E-Rezepts ist sicher gut vorbereitet, trotzdem dürfte es bei der konkreten Umsetzung noch viel zu moderieren geben, vor allem an den Fronten Zuweisung und automatisierter Abgabe. Außerdem will DocMorris noch in diesem Jahr Vor-Ort-Apotheken auf seine eigene Plattform locken. Und eine erstaunlich große Anzahl ist laut einer Befragung gar nicht kategorisch dagegen. Ob Müller bei der Akquise allerdings hilfreich gewesen wäre, steht auf einem anderen Blatt.

Das große Thema gleich zum Wochenstart war natürlich die Anhörung im Petitionsausschuss. Benedikt Bühler durfte sein RxVV-Projekt 2.0 in den Bundestag bringen. Er hat seine Sache gut gemacht, auch wenn sich Minister Jens Spahn (CDU) natürlich keinen Deut bewegt hat. Danach klang Pharmaziestudent Bühler trotzdem viel gelöster als davor. Und jetzt setzt er auf die Unionsfraktion im Bundestag. Im Interview hat Dr. Georg Kippels (CDU) angekündigt, dass das RxVV wieder auf die Agenda kommt, wenn Spahns Boni-Verbot in Brüssel scheitert.

Der Minister will sich demnächst mit der Brüsseler Behörde austauschen. Bei der Anhörung im Petitionsausschuss hat er aber auch trotzig zu Protokoll gegeben, dass man sich von der Kommission nichts vorschreiben lässt. Für eine etwaiges neues EuGH-Verfahren will sich Spahn nach eigenem Bekunden mit dem Gutachten zur Preisbindung wappnen. Muss man einem Minister ja erstmal so glauben.

Anders herum hat der Minister den Apothekern nicht geglaubt, dass das E-Rezept nur bei ihnen gut aufgehoben wäre. Stattdessen macht die Gematik jetzt eine eigene E-Rezept-App und alle anderen können sich hinten anstellen. Das soll auch die Zuweisung erschweren. Für die ABDA ist das dennoch die nächste Ohrfeige, kommentiert Kollege Tobias Lau. Bei den Apothekern ist die Stimmung sowieso im Keller, nachdem die aktuelle Zahl der Schließungen bekannt gemacht wurde. 2019 war das nächste traurige Rekordjahr.

Die AOK retaxiert, obwohl ihr Rabattpartner seinen Lieferengpass gegenüber der Kasse kommuniziert hatte. Aber Engpass heißt eben nicht Ausfall und daher muss jeder Einzelfall belegt werden. Der hier klamme Reimporteur kann rückwirkend aber nur Defektbelege ausstellen, wenn direkt bestellt wurde. Bei Großhandelskunden geht das nicht.

Die Linksfraktion hätte von der Bundesregierung gerne gewusst, wie sehr die Engpässe eigentlich die Kassen, Apotheker und Patienten belasten. Das BMG weiß das alles nicht so genau, ganz so schlimm ist es aber nicht. Aber Zahlen gibt es nicht. Wird aber schon nicht so schlimm sein, gibt ja immer Alternativen. Viel Spaß beim Suchen! Schönes Wochenende!

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Mehr zum Thema
Lauterbach spricht mit Gassen
Bürgertests: BMG garantiert Abrechnung »
Rettungseinsätzen per Video
Tele-Notärzte werden zugeschaltet »
Fehlende Dosierungsangabe
T-Rezept: Retaxfall Revlimid »
Mehr aus Ressort
ApoRetrO – der satirische Wochenrückblick
„Sie lügen doch!“ – Testkunde fliegt auf »
„Wir haben einen Flickenteppich und nichts funktioniert“
eGK und Gematik-App: Apothekerin verzweifelt fast »

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
ApoRetrO – der satirische Wochenrückblick
„Sie lügen doch!“ – Testkunde fliegt auf»
„Wir haben einen Flickenteppich und nichts funktioniert“
eGK und Gematik-App: Apothekerin verzweifelt fast»
Auf antibakterielle Wirkstoffe besser verzichten
Hautcremes können dem Mikrobiom schaden»
Erste Leitlinie für Diagnose & Behandlung
Vitiligo: Wenn der Haut die Pigmente fehlen»