Die Bußgeld-Odyssee einer Apothekerin

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Berlin - In der Corona-Krise ist vieles möglich, was vorher unvorstellbar schien. Apotheken sehen aus wie Bankschalter, die Krankenkassen lockern ihre sakralen Rabatverträge und der Botendienst wird bezahlt. BEZAHLT! Alles ist möglich. Alles? Nein, wer nicht aufpasst, rauscht in ein wahres Bußgeld-Inferno.

Stellen wir uns Apothekerin Ingrid M. vor. Deren Kunde wollte sein Rezept per WhatsApp schicken, damit das Arzneimittel sicher da ist, wenn er später kommt. Inge ist skeptisch. Ist das nicht eigentlich verboten? Naja, wird schon schief gehen, ist ja Corona. Das Medikament liegt bereit als der Kunde kommt. Er kommt ohne Maske. Lange Diskussion, er bleibt uneinsichtig. Außerdem hat er das Original-Rezept vergessen.

Sind halt besondere Zeiten, denkt Ingrid, und händigt das Arzneimittel zähneknirschend aus. Sie winkt den nächsten Kunden heran. Der tritt ein, desinfiziert sich die Hände und stellt sich freundlich als Vertreter der Aufsichtsbehörde vor. Er kauft Traubenzucker und stellt ein vierstelliges Bußgeld in Aussicht: Rx-Abgabe ohne Rezept und eben jenen maskenlosen Kunden ohne Vorliegen eines Notfalls bedient.

Im Gehen dreht er sich noch einmal um: „Hoppla, Ihre PTA trägt ja auch keine Maske.“ „Aber wir haben doch Plexiglas“, antwortet Ingrid und klopft von innen gegen die Scheibe, haucht dagegen und poliert mit dem Kittelärmel. Ja, aber die PTA sei ja um die Schutzwand herum gekommen, um etwas aus der Freiwahl zu holen. Und auf dieser Seite des HV-Tischs herrsche unbedingte Maskenpflicht. Das Bußgeldkonto steigt.

Um künftig alle Kunden mit Masken versorgen zu können, kauft Inhaberin Ingrid sehr teuer ein und schlägt läppische 10 Prozent drauf. Wenig später bekommt sie Post vom Staatsanwalt: Die Ermittlungen wegen Wucher laufen, sie soll ihre Einkaufsbelege den Ermittlungsbehörden übersenden. Mit Tränen der Wut in den Augen verlässt Ingrid am Abend die Apotheke, um die letzte Botentour des Tages selbst anzutreten. Weil sie die Maske aus Vorsicht gar nicht mehr abnimmt, fährt sie in der Polizeikontrolle das nächste Bußgeld ein: Verstoß gegen das Vermummungsverbot. Ingrid lacht etwas irre in sich hinein und fragt den Polizeibeamten kichernd, ob er einen Covid-19-Antikörper-Schnelltest bei ihr kaufen möchte.

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