Stimmungslage in Apotheken

Aufholjagd im Maskenstress

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Berlin -

Bund und Länder haben sich auf weitere Lockerungen der Corona-Beschränkungen geeinigt – und die Apotheken atmen auf. 45 Prozent hoffen auf steigende Kundenzahlen. Denn die waren nach dem Ansturm zum Beginn der Corona-Krise im April vielerorts eingebrochen. Jetzt bessert sich auch die Stimmung in den Apotheken wieder.

Die Entwicklung der Kundenanzahl dürfte sich auch auf die teilweise angespannte wirtschaftliche Situation der Apotheken auswirken. So gibt jeweils jeder vierte Befragte an, dass in der Offizin derzeit Überstundenabbau (27 Prozent) oder flexible Arbeitszeiten (24 Prozent) greifen, um die Arbeitsplätze zu sichern. Auch Kurzarbeit spielt laut jedem Zehnten eine Rolle. Mit der schrittweisen Rückkehr zur Normalität gehen mehr als zwei Drittel der befragten Apothekeninhaber und Filialleiter (69 Prozent) in den kommenden drei Monaten von einer gleichbleibenden oder verbesserten Geschäftslage aus. Jeder Vierte (26 Prozent) befürchtet allerdings eine Verschlechterung.

Zwar bleibt die Kontaktsperre grundsätzlich bis zum 5. Juni bestehen, dennoch kehrt die Bundesrepublik schrittweise zur Normalität zurück. Und das ist laut der deutlichen Mehrheit des Apothekenpersonals auch gut so: 81 Prozent der Befragten sind mit den beschlossenen Maßnahmen zufrieden. Zudem kommen für knapp die Hälfte der Umfrageteilnehmer (44 Prozent) die Lockerungen genau zum richtigen Zeitpunkt. Demgegenüber sind 30 Prozent der Meinung, die Maßnahmen kommen zu früh und weitere 17 Prozent glauben, sie kommen zu spät.

Obwohl zwei Drittel der Apotheker und PTA (66 Prozent) durch die beschlossenen Lockerungen einen Anstieg der Infektionskurve befürchten, schwindet die generelle Sorge vor dem Virus sowohl beim Personal als auch bei den Kunden spürbar. So hat die Mehrheit der Befragten (58 Prozent) inzwischen keine Angst mehr davor, dass auch in Deutschland viele Menschen an dem Virus sterben könnten. Vor rund einem Monat war der Anteil nur halb so groß (29 Prozent).

Mit Blick auf das Verhalten der Kunden spüren zwei Drittel der Teilnehmer (69 Prozent) zwar noch immer eine gewisse Unsicherheit. Im Vergleich zu den Ergebnissen in der Kalenderwoche 12 (92 Prozent) ist dieser Anteil jedoch deutlich zurückgegangen. Von einem panischen Kundenverhalten berichtet inzwischen nur noch jeder fünfte Befragte (21 Prozent), während es vor sieben Wochen noch knapp zwei Drittel (65 Prozent) waren.

Mehr als die Hälfte der Befragten (56 Prozent) beschreibt das Kundenverhalten mittlerweile als „ganz normal“. Vor sieben Wochen war es lediglich ein Drittel. Und die allermeisten Kunden verhalten sich nach Angaben der Apothekenteams „überwiegend rücksichtsvoll“ (87 Prozent).

Allerdings gibt es einen neuen Stressfaktor in der Offizin: Von der Maskenpflicht sind viele Kunden genervt, berichten 79 Prozent der Teilnehmer. Doch bei dem Thema bleiben die Apotheken hart: Kommen Kunden jedoch ohne Mund-Nasen-Bedeckung in die Offizin, verweigert ihnen die Hälfte der Befragten den Zutritt. In einigen Fällen werden sie nur über die Notdienstklappe bedient oder müssen sich vor Zutritt eine Maske kaufen. In sehr seltenen Fällen wird widerspenstigen Kunden Hausverbot erteilt (6,8 Prozent).

Hinweis zur Methodik

aposcope befragt seit dem 25. Februar 2020 jede Woche verifizierte Apotheker und PTA online zum Thema Coronavirus. An der aktuellen Umfrage zur „Zahl der Woche“ nahmen am 6. und 7. Mai 2020 insgesamt 310 Apotheker und PTA teil. Die Umfrage ist repräsentativ für die deutsche Apothekenlandschaft.

 

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