Apothekenbote weigert sich, Mundschutz zu tragen

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Berlin - Bundesweit gilt ein einheitliches Vorgehen bei der Maskenpflicht. In den Apotheken kommt es durch die neue Regelung zu Schwierigkeiten: Die Kunden verstehen den Apotheker akustisch nicht mehr richtig, die PTA bedauert, dass die Mimik innerhalb der Beratung entfällt. Ein weiteres Problem: Chronisch kranke Menschen könnten durch das dauerhafte Tragen gesundheitliche Schäden erleiden. Psychisch kranke Menschen könnten ebenfalls Probleme mit dem Tragen einer Maske haben. Und dann gibt es noch die Personen, die sich in ihren Grundrechten angegriffen fühlen. Doch welche Sonderregelungen gibt es bei der Maskenpflicht und wie sollten Apothekeninhaber auf diese Ausnahmen reagieren? Eine Apothekerin aus Hessen muss sich jetzt genau diese Fragen stellen, da ein Bote ihrer Apotheke keine Maske trägt – weil er nicht will.

Apothekerin Melanie Karge dachte nach der Einführung der Maskenpflicht zunächst nicht daran, dass es Mitarbeiter in ihrer Apotheke geben könnte, die keinen Atemschutz tragen sollten. Erst nach ein paar Tagen wurde ihr bewusst, dass Menschen mit Lungenerkrankungen Probleme mit dem Atmen haben könnten. „Ich habe Verständnis dafür, dass jemand, der Asthma oder COPD hat, mitunter nicht durch einen Mundschutz atmen kann.“ Die Inhaberin der Lichtenberg-Apotheke in Ober-Ramstadt wollte keinen Mitarbeiter benachteiligen und organisierte Visiere. Denn auch für Personen mit einigen psychischen Erkrankungen könnte das Tragen der Maske schwierig sein.

Innerhalb des Apothekenteams wurden die Masken gut angenommen – alle Apotheker und PTA arbeiten im Handverkauf wahlweise mit chirurgischem Mundschutz oder Community-Maske. Karge war zufrieden. Umso mehr war sie überrascht, als sie mit ihrem Boten sprach, der sich weigerte, einen Mundschutz zu tragen. „Anfänglich dachte ich natürlich, dass es dem Boten aus medizinischen Gründen nicht möglich sei, eine Maske zu tragen, und bot Visiere als Alternative an. Doch auch die wurden abgelehnt.“ Vorsichtig fragte Karge nach den Gründen. Medizinisch oder psychologisch lagen keine Beeinträchtigungen vor. Der Bote sah sich in seiner Selbstbestimmung eingeschränkt und lehnte das Tragen aus politischen Beweggründen ab.

Dabei braucht Karge gerade in dieser Zeit ausreichend viele Boten. Um unnötige Patientenkontakte zu vermeiden, will sie eine Großzahl ihrer Kunden per Botendienst beliefern. „Anfang April habe ich zum Ausbau meines Botendienstes eine Stellenanzeige geschaltet. Die Resonanz auf mein Stellengesuch war so groß, dass ich binnen kurzer Zeit eine neue Botin einstellen konnte.“ Im Ort seien die Menschen sehr hilfsbereit, die Bedeutung der Apotheke sei erkannt worden: „Die Bereitschaft der Menschen zu helfen war wirklich groß!“ Aus der langen Liste von Bewerbern, die alle mit einem zeitlich befristeten Vertrag eingestellt worden wären, suchte Karge zwei Personen aus. Zu dieser Zeit herrschte noch keine Maskenpflicht im Einzelhandel und die Apothekerin war sehr zufrieden mit ihren neuen Boten.

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