Zu viele Ausnahmen

Maskenpflicht: Ärzte stellen Atteste ohne Anamnese aus

, Uhr
Berlin -

Menschen mit gewissen Vorerkrankungen sind von der aktuell geltenden Maskenpflicht im Einzelhandel und in den öffentlichen Verkehrsmitteln ausgeschlossen. Asthmatiker sowie Personen mit COPD oder speziellen psychischen Erkrankungen können sich vom behandelnden Arzt bescheinigen lassen, dass sie keinen Mundschutz tragen können. Aktuell scheinen Mediziner nach Recherchen von „Report Mainz“ (ARD) diese Atteste sehr locker auszugeben – zum Teil ohne vorherige Anamnese des Patienten.

Im Kampf gegen eine weitere Ausbreitung des Coronavirus müssen Menschen in ganz Deutschland seit Ende April Masken tragen. Eine Tragepflicht gilt seitdem in allen Bundesländern im öffentlichen Nahverkehr und mit wenigen Ausnahmen auch im stationären Handel. Ob nun ein einfacher OP-Schutz, eine FFP2-Maske oder ein DIY-Mund-Nasen-Schutz getragen wird, ist egal. Die Art der Bedeckung spielt keine Rolle.

Ärzte-Bündnis gegen Maskenpflicht

Ein Zusammenschluss von mehreren hundert Ärzten wirbt im Internet mit der vereinfachten Ausgabe von Attesten, die es erlauben, sich im Einzelhandel und in den öffentlichen Verkehrsmitteln ohne Maske zu bewegen. „Ärzte für Aufklärung“ nennt sich die Initiative – der Zusammenschluss an Medizinern hält das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes für wirkungslos und plädiert für die Abschaffung der Maskenpflicht. So heißt es auf der Internetseite: „Viele der durch die Regierung erlassenen Maßnahmen zur Krankheitsbekämpfung von Covid-19 sind unverhältnismäßig und schädlich für die Bevölkerung.“ Um ein Zeichen zu setzen, wollen sie Atteste in großen Stückzahlen ausstellen, die den Bürger von der Maskenpflicht entbinden. Solch eine Bescheinigung ohne vorherige Untersuchung ist unzulässig. Laut Recherchen von „Report Mainz“ halten sich viele Ärzte nicht daran und stellen fleißig Atteste aus.

Attest für 50 Euro

Laut der Initiative ist die Maskenpflicht nicht nur unsinnig, sondern sogar schädlich: Das Tragen eines Mundschutzes rufe überhaupt erst Unwohlsein hervor. Um diese unerwünschte Wirkung zu vermeiden, sprechen sich die Ärzte gegen das Tragen eines Mundschutzes aus. Im Test von „Report Mainz“ waren es 50 Prozent der kontaktierten Arztpraxen, die kein ethisches Problem in der Ausstellung eines solchen Attestes sahen. Die Mediziner sind namentlich auf der Homepage gelistet. Zwei der Mediziner waren bereit, ein Attest ohne vorherigen Patientenkontakt auszustellen. Ein Arzt verlangte eine Aufwandsentschädigung von 50 Euro.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Neuere Artikel zum Thema
Mehr zum Thema
Impfverordnung wird verlängert
Zahnärzte dürfen gegen Corona impfen »
Mehr aus Ressort
Weitere Corona-Auffrischung
Schweden: Fünfte Impfung ab 65 »

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Verteilung, Ausgleich, Entlohnung
Wenn Notdienst auf Personalmangel trifft»
APOTHEKE ADHOC Webinar
E-Couponing als Kundenbindung»
Reduzierter Botendienst wegen Umweltschutz
„Vier Touren am Tag brauchen Apotheken nicht“»
Auf antibakterielle Wirkstoffe besser verzichten
Hautcremes können dem Mikrobiom schaden»
Erste Leitlinie für Diagnose & Behandlung
Vitiligo: Wenn der Haut die Pigmente fehlen»