Der DAV – eine einzige Erfolgsgeschichte

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Berlin -

Die deutsche Apothekerlobby zählt in der öffentlichen Wahrnehmung zu den besonders mächtigen – an Einfluss irgendwo zwischen der Autolobby und der katholischen Kirche. Für die Apotheker:innen an der Basis bleibt dieses Strippenziehen in Hinterzimmern zwar ebenso unsichtbar wie zählbare Ergebnisse dieser Aktivitäten in der eigenen Kasse, doch bei genauerem Hinsehen lassen sich die Erfolge nicht leugnen. Der Coup mit den Zertifikaten ist nur die Spitze des Eisberges.

„Komisch, ich hatte gar nicht den Eindruck, dass mich die Kunden als hochbegabte Trouble-Shooterin und ausgewiesene Digitalisierungs-Expertin wahrnehmen“, denkt eine Apothekerin, als sie sich an die vergangenen Wochen erinnert, in denen sie in der Offizin beschimpft wurde, weil das mit dem Ausstellen der digitalen Impfzertifikaten immer noch nicht ging, die Urlaubsreise aber schon gebucht war.

Aber das scheint nur bei ihr so gewesen zu sein, denn der Deutsche Apothekerverband (DAV) ist ja offenbar felsenfest davon überzeugt, dass die Apotheken einen gigantischen Imagegewinn eingefahren haben: „Vor-Ort-Apotheken werden damit mehr denn je als digital affine Problemlöser und Troubleshooter in der Pandemie wahrgenommen. Daran ändert die kurzfristige Nicht-Verfügbarkeit des Portals aus Sicherheitsgründen im Grundsatz nichts“, heißt es vom Verband.

Aus diesem Blickwinkel ist es auch Quatsch, wenn zornige Mitglieder jetzt personelle Konsequenzen fordern. Der Umzug in die Telematikinfrastruktur war doch Konsequenz genug und hat fast alle Probleme fast sofort gelöst. War die ganze Nummer mit dem scheunentoroffenen Portal etwa nur Mittel zum Zweck, um die fehlenden Apotheken für die TI einzusammeln? Nein, das ist nur ein böses Gerücht. Es gibt jedenfalls nichts daran zu rütteln, dass das ganze Zertifikatsdesaster ein einziger Erfolg für den DAV war. Lalalalala.

Übrigens genauso wie das Rx-Versandverbot. Nein, das gibt es nicht, aber trotzdem. Zuerst stand es mal im Koalitionsvertrag. Dann wurde Jens Spahn beim Apothekertag mit einem Attacke-Rückzug-Manöver so verwirrt, dass er ein Boni-Verbot ins SGB V schrieb. Und das hat der Minister – weil es ja sein Gesetz war – auch noch so impertinent in Brüssel verteidigt, bis die apothekenhassende EU-Kommission keinen Bock mehr hatte und ihr Vertragsverletzungsverfahren in den Schredder gab. Von langer Hand geplant, ein Lobby-Erfolg auf ganzer Linie.

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