Praxen ohne Update dürfen weiter Muster 1 ausstellen

eAU: KBV erwirkt Gnadenfrist

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Berlin -

Am 1. Oktober kommt die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) – aber nicht in jeder Praxis. Der Gesetzgeber hatte die verpflichtende Einführung der eAU zwar weiterhin festgeschrieben, aber viele Arztpraxen werden wohl zum Stichtag technisch noch gar nicht in der Lage sein, die digitalen Bescheinigungen zu erstellen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat für diese Praxen nun eine Übergangsregelung erwirkt. Das könnte manchen Ärzt:innen Hoffnung mit Blick auf die geplante E-Rezept-Einführung machen.

Ab dem 1. Oktober sollen Ärzt:innen Krankschreibungen digital an die Krankenkassen schicken. Allerdings werden das wohl nicht alle können: Denn dafür ist neben einem Anschluss an die Telematikinfrastruktur (TI), einem KIM-Dienst und mindestens einem E-Health-Konnektor ein Update des Praxisverwaltungssystems (PVS) erforderlich, um digitale AU-Bescheinigungen erstellen, digital versenden und ausdrucken zu können. Von den über 100 PVS-Anbietern wird aber ein Teil absehbar nicht in der Lage sein, die notwendigen Module bis zum Stichtag zu integrieren.

Deshalb konnte die KBV nun für Praxen, die bis dahin noch nicht über die nötigen technischen Voraussetzungen verfügen, mit dem GKV-Spitzenverband eine Übergangsregelung vereinbaren. Diese sieht laut KBV vor, dass Ärzt:innen übergangsweise weiterhin das alte Verfahren anwenden können, solange die zur Übermittlung von eAU notwendigen technischen Voraussetzungen in der Vertragsarztpraxis nicht zur Verfügung stehen. Die Regelung gilt bis 31. Dezember 2021 – bis dahin können betroffene Praxen noch den klassischen gelben Muster-1-Schein verwenden. Eigentlich hatte die KBV einen Aufschub von einem halben Jahr gefordert.

KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel sieht durch die Übergangsregelung potenziell den gesamten eAU-Start gerettet – schließlich wäre die Alternative wohl ein kompletter Aufschuib gewesen. „Mit der Übergangsphase kann die eAU ab 1. Oktober starten. Denn nun gibt es eine Lösung für jene Arztpraxen, die nicht rechtzeitig mit der nötigen Technik ausgestattet werden können“, so Kriedel. Praxen, die zum Starttermin über die technischen Voraussetzungen verfügten, könnten selbstverständlich die eAU nutzen. So könnten sie die eAU bereits in ihre Praxisabläufe integrieren, bevor ab Januar 2022 das elektronische Rezept komme, so Kriedel.

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