Zertifikate-Fiasko: DAV sieht keine eigenen Fehler

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Berlin - Mehr als zwei Wochen strapazierten der Ausfall des Impfzertifikatemoduls und die anschließenden gravierenden Störungen die Nerven der Apothekenteams. Unterdessen standen Kund:innen in der Offizin und mussten vertröstet werden – ohne dass man ihnen vorhersagen konnte, wann sie wieder digitale Impfzertifikate erhalten würden. Denn der Deutsche Apothekerverband (DAV) hatte das Portal ohne Vorwarnung abgeschaltet und die Apotheker:innen daraufhin nur häppchenweise informiert. Entsprechend groß war der Frust, zahlreiche Kolleg:innen forderten – auch personelle – Konsequenzen beim DAV. Doch sie werden enttäuscht, der DAV sieht keine eigenen Fehler – der Umzug des Moduls in die Telematikinfrastruktur (TI) sei bereits Konsequenz genug.

Auf die Apotheken war es in den vergangenen Wochen von allen Seiten eingeprasselt. Die Zertifikatsausstellung funktioniere nicht wegen „Sicherheitsrisiken in den Apotheken“, hieß es in der Tagesschau. Publikums- und Fachmedien berichteten ausführlich über den Ausfall des Portals und seine Ursachen. Technisch-organisatorische Hintergründe und Strukturen von DAV über Gematik bis IBM sind dabei den allermeisten Kunden fremd oder gänzlich egal – was zählt, ist, dass sie in den Apotheken standen und nichts funktionierte. Die wiederum konnten ihnen auch keine klaren Angaben machen, wann es denn wieder rund laufen würde, schließlich hatten sie die meisten Informationen selbst nur aus der Presse.

Als das Modul wieder am Netz war, sah es oft nicht anders aus: Vor allem in den Kernöffnungszeiten standen Kund:innen oft vor Apothekenmitarbeiter:innen, die minutenlang ihr Bestes gaben, aber wegen ständiger Fehlermeldungen keine Zertifikate erstellen konnten. So wie es auch schon beim ersten Launch des Portals außerhalb der TI der Fall war: „Die Apotheke war völlig überfordert. Der Server lief nicht rund, das Portal hängte sich ständig auf und die Mitarbeiter hatten nur eine ungenügende Einweisung erhalten, wie das zu bedienen ist“, erzählte IT-Journalist Gerd Himmelein kürzlich aus seiner Kundenperspektive. „Ich dachte mir dann, das lief jetzt aber nicht so rund.“ Die Hilflosigkeit angesichts des ausgefallen und später fehlergeplagten Portals führten so weit, dass sich einzelne Apotheker:innen selbst auf die Suche nach Workarounds machten und lernten, die Fehler zu handhaben.

Am Image der Apotheken bei den Kunden habe all das allerdings nicht gekratzt, ist sich der DAV sicher. Im Gegenteil: Viel wichtiger sei, dass die Apotheken überhaupt Impfzertifikate ausgestellt haben, und zwar mehr als 30 Millionen innerhalb weniger Wochen. Damit hätten sie „für sehr viele Menschen als erste und einzige Dienstleister einen solchen Service angeboten und damit letztlich auch vielen Familien einen unbeschwerten Sommerurlaub ermöglicht“, erklärt der DAV auf Anfrage.

Vielmehr hätten die Apotheken trotz des Ausfalls, der Darstellung der Sicherheitslücken in der Presse und der anschließenden Performanceprobleme des Portals gegenüber den Kunden ihre eigene IT-Kompetenz präsentiert: „Vor-Ort-Apotheken werden damit mehr denn je als digital affine Problemlöser und Troubleshooter in der Pandemie wahrgenommen. Daran ändert die kurzfristige Nicht-Verfügbarkeit des Portals aus Sicherheitsgründen im Grundsatz nichts“, so der DAV.

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