Neue Marke, neues Konzept, neue Preise

Übernahme: Aponow soll nächste große Plattform werden

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Berlin -

Der Plattform-Markt wird um einen Player reicher: Aponow wurde von einem E-Commerce-Konzern übernommen und soll nun unter neuem Namen mit Millionen-Investitionen in Marketing und Infrastruktur zum Mitbewerber von Gesund.de, IhreApotheken.de, DocMorris und Shop-Apotheke gepäppelt werden. Geschäftsführer Thomas Engels sieht die eigene Plattform als drittes Konzept neben denen der Großhändler und der Versender. Das Netzwerk hat er bereits, jetzt will er zum Angriff blasen.

Aponow gehört zweifellos zu den Pionieren im Markt, um nicht zu sagen: Die landläufige Wahrnehmung ist, dass das Konzept seiner Zeit zu weit voraus war. Bereits 2014 hob Gründer Markus Bönig das Konzept der „nationalen Vorbestellplattform“ aus der Taufe, stieß damit bei den allermeisten Apotheken aber auf recht wenig Gegenliebe – nicht zuletzt, weil die Bestellungen ungefragt eingingen und nach einem sogenannten Auktionsmodell vergeben wurden: Reagierte die erste Apotheke nicht innerhalb von 15 Minuten, ging der Auftrag an 15 weitere Apotheken im Umkreis, danach an 50 und so weiter. Einigen Betrieben brachte Aponow tatsächlich darstellbare Zusatzeinnahmen, generell fristete die Plattform aber trotz Expansion in den vergangenen Jahren eher ein Nischendasein.

Das soll sich nun grundlegend ändern. Dass Veränderungen anstehen, hat sich in den vergangenen Monaten bereits angedeutet: Unter der Marke Doc.Green verpasste sich die Plattform einen neuen Anstrich, das Konzept blieb aber vorerst dasselbe. Jetzt soll es umgebaut und hochskaliert werden, und zwar mit zusätzlichem Kapital im Rücken: Zum 1. August hat The Platform Group, ein E-Commerce-Konzern aus Wiesbaden, die Mehrheit an Aponow übernommen. Für die Wiesbadener ist es der Einstieg in den Apothekenmarkt: Ursprünglich kommen sie aus dem stationären Schuhgeschäft. In fünfter Generation führt CEO Dr. Dominik Benner die Gruppe, er brachte den Familienbetrieb ab 2012 auf die Höhe der Zeit, erst mit einer Plattform für Schuhe, dann sukzessive mit immer mehr Portalen in Branchen von Mode über Möbel bis zum Maschinenbau.

Nun kommt als nächste Branche also der Arzneimittelhandel hinzu. „Der Apothekenmarkt ist stark im Umbruch und wir haben Interesse daran, viele Apotheken an uns zu binden und einen digitalen Order-Prozess bei ihnen zu etablieren“, sagt Benner. Über den Kaufpreis oder die prozentuale Höhe der Mehrheitsanteile haben beide Parteien Stillschweigen vereinbart. „Was aber feststeht: Wir werden diese Beteiligung langfristig halten und relevante Investitionen im Millionenbereich tätigen. Wir werden keine Mitarbeiter entlassen“, so Benner. „Wir sind nicht eingestiegen, um zu sagen, es bleibt, wie es ist, sondern wir wollen die Plattform durch einen Relaunch, besseres Marketing und eine bessere technische Verbindung mit den Apotheken voranbringen.“ Dabei wird sich auch einiges am Modell ändern.

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