E-Rezept: Rechenzentren wollen täglich zahlen

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Berlin - Mit der Einführung des E-Rezepts verändert sich auch die Abrechnung maßgeblich. Der Verband Deutscher Apothekenrechenzentren (VDARZ) setzt sich dafür ein, dass die Apotheken in Zukunft täglich mit den Krankenkassen abrechnen können. Das würde die Liquidität der Apotheken verbessern und zudem ein versicherungsrechtliches Problem lösen, so VDARZ-Vorstand Klaus Henkel gegenüber APOTHEKE ADHOC.

Aus Sicht der Rechenzentren wird das Potenzial des E-Rezepts in den aktuellen Plänen bei Weitem nicht ausgeschöpft. Das liegt Henkel zufolge an den veralteten Arzneilieferverträgen, die starre Fristen für die Abrechnung mit den Krankenkassen vorsehen. Das E-Rezept würde eine taggenaue Abrechnung ermöglichen, so Henkel. Der VDARZ will den Deutschen Apothekerverband (DAV) in den Gesprächen mit dem GKV-Spitzenverband unterstützen, um diese Frage schnellstmöglich zu klären.

Denn die schnellere Abrechnung hätte mehrere Vorteile, vor allem bei der Liquidität und bei Haftungsfragen. Die Apotheken müssten nicht mehr in Vorleistung gehen und trügen das Inkassorisiko nicht selbst. Die Pleite des Rechenzentrums AvP hat mehreren tausend Apotheken schmerzhaft vor Augen geführt, wie desaströs die aktuelle Abhängigkeit für sie werden kann.

Mit einer taggenauen Abrechnung würde sich die Welt der Rezeptabrechnung schlagartig ändern. Die Abschlagszahlungen der Kassen könnten wegfallen, die Dekadenzahlung beim Großhandel wäre obsolet. „Das ganze System der Liquidität muss modernisiert werden“, so Henkel. Das hätte aus seiner Sicht zwar erhebliche Auswirkungen auf die Arbeit der Rechenzentren, wäre aber eindeutig zum Vorteil der Apotheken. „Wir müssen nicht hin zu einer Banklizenz für Rechenzentren, sondern hin zu einer schnellstmöglichen, bestmöglichen Dienstleistung.“

Um das Geschäftsmodell der Rechenzentren macht sich Henkel dabei überhaupt keine Sorgen – im Gegenteil: „Das ist die Zukunft. Die Prüfung der Rezepte, die Abwicklung von Retaxationen, das wird alles viel schneller gehen. Ich sehe da eine Stärkung unserer Dienstleistung“, so der VDARZ-Vorstand. Bei der Abrechnung der FFP2-Masken habe sich die Schwäche des heutigen Systems erneut gezeigt: Die Apotheken schicken ihre Sammelbelege an die Rechenzentren, diese rechnen mit dem Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS), welches das Geld wiederum aus dem Gesundheitsfonds erhält, bevor die Auszahlung über den Notdienstfonds (NNF) vollzogen wird. „Warum geht das nicht täglich?“, fragt sich Henkel.

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