Apofackelmann 2000

, Uhr

Berlin - Apotheken wehren sich so gut es geht gegen den drohenden Corona-Befall. Die Kunden müssen sich desinfizieren, Plexiglas schützt vor unbedachtem Annießen und die selbstgenähte Maske sieht zusätzlich gut aus. Sollte sich trotzdem einmal ein Virus in die Offizin verirrt haben, hilft nur eins: pyrolytische Reinigung. Nach einem beherzten Flammenwerfer-Einsatz darf die Apotheke geöffnet bleiben, stellte das Bundesgesundheitsministerium (BMG) jetzt klar.

Was bei Atemschutzmasken funktioniert, gilt auch für Apotheken: Dem Krisenstab der Bundesregierung wurde „neuartiges Wiederverwendungsverfahren“ von Apotheken vorgestellt. Wenn der Innenraum für mindestens 20 Minuten flächendeckend mit einem handelsüblichen Flammenwerfer abgefackelt wird, ist die Dekontamination vollständig.

Nach der „Erhitzung“ soll laut Ministerium geprüft werden, ob die Apotheke dabei beschädigt wurde. „Auf Basis der bisherigen Datenlage sollten Apotheken maximal zweimal dekontaminiert und danach nicht mehr verwendet werden“, heißt es in der Erklärung. Positiver Nebeneffekt: In die Jahre gekommene Inneneinrichtung kann mit diesem Verfahren mit wenig Aufwand und zu vergleichsweise geringen Kosten entsorgt werden.

Apropos Kosten: Es ist dringend empfohlen, hier nicht an der falschen Stelle zu sparen und unbedingt einen Fachmann zu beauftragen. Zwar können begabte Heimwerker sich einen Flammenwerfer ohne Weiteres auch selbst herstellen, doch die hohe Kunst des richtigen Abfackelns will gelernt sein. Außerdem laufen Pyrozeuten ansonsten Gefahr, von ihrer Versicherung wegen Brandstiftung in Beschlag genommen zu werden. Bei der fachgerechten Erhitzung durch ein zertifiziertes Unternehmen, sind etwaige eingeschmolzene Plexiglasscheiben dagegen voll versichert. Seriöse Anbieter sind Apofackelmann 2000 aus Offenbach, Brandneu aus Münster oder das US-Unternehmen Pyrophoric Distancing.

Spaß beiseite, denn es ist eine ernste Frage: Darf eine Apotheke nach einem Corona-Vorfall im Team geöffnet bleiben oder ist Totalquarantäne angesagt? Die Sächsische Apothekerkammer hat ihre Mitgieder darüber informiert, dass ein derart rigides Vorgehen nicht notwendig ist und verweist auf neue Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) zum Umgang mit Kontaktpersonen. Das Sozialministerium des Landes hat die ihm unterstellten Gesundheitsämter angewiesen, entsprechend zu verfahren. Apotheken dürfen geöffnet bleiben. Notfalls können die Ämter zusätzliche Auflagen machen, zum Beispiel ständiges Tragen eines Mundschutzes.

APOTHEKE ADHOC Debatte

Mehr zum Thema
Finanzminister: Arzneimittel nur aus der Apotheke
Österreich: Corona-Boom für Arzneimittelfälscher »
OTC-Markt stabilisiert sich
Erkältungssegment zieht stark an »
„Fax, Karten und Konnektoren gemeinsam wegschmeißen“
Bild-Gipfel: E-Rezept und Vorsorge »
Mehr aus Ressort
Parfümerie will OTC-Produkte anbieten
Zwei Partnerapotheken für Douglas »
Weiteres
„Fax, Karten und Konnektoren gemeinsam wegschmeißen“
Bild-Gipfel: E-Rezept und Vorsorge»
Bärbel Bas als Bundestagspräsidentin
Gesundheitspolitikerin führt den Bundestag»
Koalitionsverhandlungen
Geheimsache Gesundheitspolitik»