Bundesregierung: Atemmasken künftig dreimal verwenden

, Uhr
Berlin -

Eigentlich sollten medizinische Atemschutzmasken nur einmal verwendet werden. Da es jedoch kaum noch welche zu beschaffen gibt, hat der Krisenstab der Bundesregierung nun „ein neuartiges Wiederverwendungsverfahren“ beschlossen: FFP2- und FFP3-Masken sollen künftig mehrmals wiederverwendet werden, nachdem sie mit Hitze dekontaminiert wurden. Es gelte jetzt, „pragmatische und zielführende aber dennoch sichere Lösungen zu finden, um die Versorgung des medizinischen Personals mit Atemmasken mit Filterfunktion zu gewährleisten“, so das BMG.

Jenes neuartige Verfahren sei dem Krisenstab gemeinsam mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) vorgestellt worden: Die Masken können demnach bis zu dreimal verwendet werden, wenn dabei besondere Sicherheitsauflagen beachtet werden. Das neue Verfahren erfolge durch das ordnungsgemäße Personifizieren, Sammeln und Dekontaminieren der Masken durch Erhitzen. „Es kann in Ausnahmefällen, wenn nicht ausreichend persönliche Schutzausrüstung vorhanden ist, in den Einrichtungen des Gesundheitswesens mit vorhandenen Mitteln kurzfristig umgesetzt werden, ohne das Schutzniveau zu senken“, so das BMG.

„Der Schutz des Personals im Gesundheits- und Pflegebereich hat oberste Priorität. Es ist gut, dass wir hier schnell und vorausschauend eine sichere Lösung für mögliche Liefer­engpässe finden konnten“, erklären dazu Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Bundesarbeitsminister Hubertus Heil in einem gemeinsamen Statement. „Es werden gleichzeitig alle Anstrengungen unternommen, ausreichend neue Schutzmasken auf dem Weltmarkt zu ordern.“

In einem dazu veröffentlichten Papier erläutern die beiden Ministerien, wie die Dekontamination der Masken effektiv funktionieren soll, nämlich durch eine Hitzeinaktivierung von Sars-CoV-2 mittels trockener Hitze bei 65 bis 70 °C für 30 Minuten. „Die Dekontamination beseitigt unter anderem Coronaviren – dies gilt aber nicht für alle Erreger (Viren und Bakterien)“, stellen BMAS und BMG dazu klar. „Daher nur personalisierte Wiederverwendung. Nach Einsatz bei Patienten mit Tuberkulose oder anderen Infektionen mit erhöhter Persistenz der Erreger sind die Masken zu verwerfen.“ Nach der Erhitzung solle außerdem geprüft werden, ob die Masken dabei beschädigt wurden. Auf Basis der bisherigen Datenlage sollen die Masken maximal zweimal dekontaminiert und danach nicht mehr verwendet werden.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema
Mehr aus Ressort
Geld für PharmDL parkt in Apotheken
20 Cent je Packung: Der unsichtbare Kredit »
Weiteres
Potenzielle Basis für neue Antibiotika
Neue antibakterielle Molekülgruppe entdeckt»
Sensitivität und Nachweisdauer
PEI hat Antikörpertests getestet»
Auffälliger Mundschutz
Rx-Pillen in OP-Maske versteckt»
„Beim Mittagessen ging es nur um Apotheke“
Ein Loblied auf die Apotheke»
Suspension und Kapseln
Sildenafil in der Pädiatrie»
„Der Betriebsablauf darf nicht gestört werden“
Angestellte abwerben: Das ist nicht erlaubt»
Dosierung, bedenkliche Stoffe, Preis
Retaxgefahr Rezeptur»
Rechtliche und pharmazeutische Aspekte
Grauzone: Abgabe von mehreren OTC-Packungen»