Patientin muss sich Dosierung selbst basteln

Lieferengpässe: „Die haben das doch studiert, nicht ich!“

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In ihr Verzweiflung wendet sie sich wieder an das Forum – und erhält dort den entscheidenden Tipp: 150 mg Retardkapseln. Denn die sind mit drei Pellets zu je 50 mg Wirkstoff gefüllt. Wenn sie die Kapseln zuhause öffnet und je ein Pellet in eine neue Gelatinekapsel steckt, kann sie eine Dosierung einnehmen, die ihrer bisherigen zumindest nahekommt.

Mit einem neuen Rezept ihres Arztes über 150 mg geht sie also in die Apotheke – und wird wieder enttäuscht. Sie könne ihr das Medikament nicht abgeben, so die Apothekerin – wegen des Aut-idem-Kreuzes. „Da konnte ich nicht mehr und habe angefangen, mitten in der Apotheke zu heulen.“ Und die Apothekerin? „Die stand einfach vor mir und hat mit den Schultern gezuckt!“ Erst eine andere Apothekerin sei dann gekommen, habe ihre Kollegin zur Seite geschoben und sich um sie gekümmert. Mit etwas Einsatz konnte sie das Problem lösen und sogar noch weiter behilflich sein: „Sie war sogar so freundlich, herumzutelefonieren, um herauszufinden, ob die Retardformulierung bei den 150er-Kapseln nur für die Kapseln selbst oder auch für jedes einzelne Pellet wirkt. Bei ihr habe ich mich gut aufgehoben und getröstet gefühlt.“

Dennoch frage sie sich, wieso sie sich als Laiin im Alleingang eine Lösung für ihr Problem finden musste – noch dazu in einem Internetforum. „Ich habe dort Informationen bekommen, die mir weder mein Arzt, noch die Apotheken gegeben haben.“ Sie hätte sich gewünscht, dass ihr dort auch andere Lösungen aufgezeigt worden wären – wie die, die sie letztlich selbst gefunden hat. „Ich konnte es gar nicht glauben, dass ich mir das im Internet selbst zusammenschustern musste. Das kommt mir absurd vor. Die haben das doch studiert, nicht ich!“ Vor sich selbst habe sie die Situation, ihre Medikation allein zu organisieren, als demütigend empfunden. „Ich habe mich gefühlt wie ein Junkie, der seinen Stoff braucht“, sagt sie. Hinzu kämen die Ursachen und Zusammenhänge, die zu den Lieferengpässen führen: Nichts sei ihr dazu erklärt worden, warum sie ihre Medikamente nicht erhält. „Stattdessen haben sie einfach in den Computer geschaut und mir gesagt, ich soll nochmal meinen Arzt fragen.“

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